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Bayerische Siemens-Standorte am stärksten vom Stellenabbau betroffen

Siemens verlagert Arbeitsplätze nach Osteuropa und streicht in Deutschland 1.700 Stellen

Freitag, 07 Oktober 2016 22:07
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München - Der Elektronikkonzern Siemens hatte Anfang März angekündigt, massiv Arbeitsplätze aus der Sparte „Process Industries and Drives“ (PD) in Bayern zu streichen und rund die Hälfte davon ins Ausland zu verlagern.

Am 20. Juli demonstrierten deshalb Tausende bayerische Siemens-Beschäftigte gegen die drohende Arbeitsplatzverlagerung nach Osteuropa und für den Erhalt von industrieller Wertschöpfung an den deutschen Siemens-Standorten. Zu den Kundgebungen an den betroffenen Werken der PD-Sparte in Nürnberg, Ruhstorf und Bad Neustadt hatte die IG Metall Bayern aufgerufen.

Jetzt hat die Siemens AG nach Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern die Streichung von 1.700 Arbeitsplätzen in Deutschland beschlossen, wie ein Unternehmenssprecher diese Woche mitteilte. Ursprünglich wollte der Konzern mit Firmensitz in München sogar 2.000 inländische Stellen abbauen.

Die vier bayerischen Siemens-Standorte sind am stärksten betroffen: In Nürnberg werden nun 590 statt wie ursprünglich geplant 730 Arbeitsplätze gestrichen, in Ruhstorf bei Passau fallen 600 Jobs (statt 710) weg, in Bad Neustadt sind 330 Stellen (statt 370) betroffen und an zwei Erlanger Standorten gehen 130 Arbeitsplätze (statt 160) verloren.

Nach Unternehmensangaben soll der Stellenabbau bis spätestens September 2020 umgesetzt sein.

Laut Jürgen Wechsler, dem Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sind die Beschäftigten der Unternehmenssparten „Prozessindustrie“ und „Antriebe“ über den Abbau von 1.700 Arbeitsplätzen schockiert.

Trotz der Zusage, alle deutschen Produktionsstandorte zu erhalten, gebe es insbesondere unter den Beschäftigten in Ruhstorf eine große Unsicherheit. An diesem Standort sollen nur noch Teile der Elektromotorenfertigung und 600 der bislang 1.200 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Wechsler sagte zu den bis 2020 abgeschlossenen Stellenstreichungen: „Es gibt große Sorgen, ob das, was hier vereinbart ist, nach vier Jahren noch leben wird.“

Der Bezirksleiter der IG Metall hatte Siemens mehrfach aufgefordert, die Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen nach Osteuropa zu stoppen, „aber Siemens hält an seiner Verlagerungsstrategie fest“.

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