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Weiterhin im Panikmodus

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will Osterurlaub verbieten

Montag, 15 Februar 2021 14:31
Michael Kretschmer (Jahrgang 1975) ist Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Michael Kretschmer (Jahrgang 1975) ist Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Quelle: CDU

Dresden - Wegen der aktuellen Corona-Pandemie hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Urlaub auch für die kommenden Wochen ausgeschlossen. „Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen. Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben.“, äußerte er sich gegenüber der BILD.

Zu große Mobilität schon im April sei nach Meinung Kretschmers „Gift“ und würde alles zerstören, was seit Mitte Dezember erreicht worden sei. Eine Rückkehr zur Normalität würde dann wie im vergangenen Herbst abermals zu einer Explosion der Infektionszahlen führen. Dann wäre im Frühjahr ein abermaliger „harter Lockdown“ erforderlich, was unbedingt vermieden werden müsse.

Laut Kretschmer müssten die Lockerungen vorsichtig und Schritt für Schritt erfolgen. Dies bedinge, dass Gaststätten und Hotels in Sachsen auch noch über Ostern geschlossen bleiben müssten. Aus den angeblichen Erfahrungen der letzten Monate sei inzwischen abzuleiten: "Kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, führen sofort zu höheren Infektionszahlen."

Kritische Stimmen dazu kommen indes aus der FDP und AfD: „Gehen die Zahlen weiter deutlich zurück, kann niemand am Urlaub gehindert werden.“, äußerte sich beispielsweise Torsten Herbst aus der FDP-Bundestagsfraktion.

Belastbare Daten zu einer überdurchschnittlichen Verbreitung des Virus in Hotels und Gaststätten fehlen indes bislang immer noch, vielmehr wird hier eine ganze Branche auf bloßen Verdacht hin in ihrer Existenz gefährdet. Ältere Daten des Robert-Koch Institutes und auch neuere Studien gehen eher von anderen Orten und Gelegenheiten aus, die hinsichtlich einer vermehrten Übertragung des Virus verdächtig erscheinen. Im Verlauf des letzten Jahres mühsam erarbeitete Hygienekonzepte und vielfach daraus resultierende hohe Investitionen in den Betrieb zahlen sich für die betroffenen Unternehmer nun keineswegs aus.

Die Politik verweigert hartnäckig die seit langem unter anderem auch bei der Weltgesundheitsorganisation vorliegende Erkenntnis, dass die Verhängung von Lockdownserheblich größere gesundheitliche, wirtschaftliche, soziale und sonstige Schäden verursacht als die Ausbreitung des Virus selbst. Dass man in Zukunft mit dem vorliegenden Virus und auch weiteren und kommenden Viren, insbesondere Zoonosen,schlichtweg leben muss, wird beharrlich ignoriert. Geeignete Konzepte werden nicht in ausreichendem Maße entwickelt, gefördert und angewandt. Aktuell werden vor allem Mutationen des Virus als Gründe für das Festhalten an der rigiden Praxis bemüht, wohl wissend, dass Mutationen schlicht den Regelfall in der Evolution eines Virus darstellen. Seit der Mensch existiert, entwickelt er sich in einem Umfeld von tausenden Viren, die er zum Teil auch notwendigerweise in seinem Körper trägt. Ein höheres Maß an Immunität in der Bevölkerung, sei es durch natürliche Infektion oder auch durch Impfungen, wird das Virus aus biologischer Sicht zu weiteren Mutationen zwingen, damit es sich weiterhin erfolgreich entwickeln und ausbreiten kann. Sollen die Grundrechte dann auf unbestimmte Zeit eingeschränkt werden?

Neben der Entwicklung und Anwendung geeigneter Konzepte für ein weitgehend normales Leben mit dem Virus sowie der zielgerichteten Förderung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge bleibt auch eine von der Politik vorangetriebene intensive Suche nach den Ursachen der Entstehung der Pandemie noch weitgehend auf der Strecke. Immer mehr Studien kommen indes mittlerweile zu dem Ergebnis, dass es sich vorliegend um ein durchaus vorhersehbares Umweltproblem handelt. Weder hat die Politik dies jedoch vor Ausbruch von COVID-19 rechtzeitig erkannt, noch hat sie geeignete Maßnahmen zur Beseitigung der Ursachen und zum Schutz der Bevölkerung ergriffen. Das aktuelle Politikversagen bei der Bewältigung der Pandemie steht daher bereits in einer veritablen, traurigen Tradition.

Literaturempfehlung: Prof. Dr. Josef Settele: Die Triple Krise

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