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Zuständiges Domkapitel lehnt Polizeieinsatz gegen Kirchenbesetzer ab

Roma-Protest: Abgelehnte und ausreisepflichtige Asylbewerber besetzen Regensburger Dom

Mittwoch, 06 Juli 2016 16:44
Regensburger Dom St. Peter Regensburger Dom St. Peter Quelle: de.wikipedia.org | Bkmd

Regensburg - Mehr als 40 Roma aus Albanien, dem Kosovo, Serbien und Mazedonien haben am Dienstagvormittag den Regensburger Dom besetzt. Die Männer, Frauen und Kinder zogen mit ihrem Hab und Gut in das Gotteshaus ein und richteten sich im linken Seitenflügel ein.

Die abgelehnten und ausreisepflichtigen Asylbewerber protestieren gegen ihre drohende Abschiebung sowie die Einordnung der Balkanländer als sichere Herkunftsstaaten. In einer professionell formulierten Stellungnahme für die Medien ist zu lesen: „Wir setzen uns dafür ein, dass weder Serbien noch Mazedonien, Bosnien, Kosovo, Albanien und Montenegro sichere Herkunftsländer sind. Diese Entscheidung muss daher rückgängig gemacht werden. Einigen von uns droht die Abschiebung. Andere sollten schon jetzt abgeschoben sein.“

Auf Transparenten ist zu lesen: „Bleiberecht für alle“, „Wir sind nicht zu stoppen“ und „Alle Roma bleiben hier“. Der Protest, der von der Hamburger Organisation „Romano Jekipe Ano“ unterstützt wird, solle so lange dauern, bis die Roma ein Bleiberecht in Deutschland bekommen, hieß es.

Vor dem Dom formierte sich am Dienstag eine Solidaritätsdemonstration, während Mitglieder der Kampagne „no deportation, nowhere“ per Kurznachrichtendienst Twitter über die aktuelle Lage im Dom informierten.  

Das Bistum Regensburg sicherte umgehend humanitäre Hilfe und die Versorgung der Protestierenden zu. Das Bistum erklärte: „Alle sind eingeladen, für das Wohl dieser Menschen zu beten.“ Ein Polizeisprecher erklärte auf Nachfrage, das zuständige Domkapitel wünsche keinen Polizeieinsatz zur Räumung des besetzten Doms. Beamte seien aber Ort, um die Lage zu beobachten.

Nach Medienberichten verbrachten die Roma eine ruhige Nacht in einem Vorraum des Doms, da der Hauptraum der Kirche in der Nacht abgeschlossen wurde. Nach Angaben von Bistumssprecher Jakob Schötz stellten die Malteser Essen, Trinken und Feldbetten für die Kirchenbesetzer bereit.

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