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Sogar Friedrich Merz für Armin Laschet als Kanzlerkandidat

Richtet Markus Söder aus Eigennutz in der Union maximalen Schaden an?

Donnerstag, 15 April 2021 20:33

München - Nachdem er vor einigen Tagen noch erklärte, dass er nur Kanzlerkandidat der Union werden möchte, wenn er auch die Unterstützung der CDU bekomme, möchte Markus Söder nun trotzdem Bundeskanzler werden, nachdem sich zumindest das CDU-Präsidium für Armin Laschet ausgesprochen hat. Von seinen vorangegangenen Aussagen lässt sich Söder jedoch nicht beirren und verlangt nun die Einbeziehung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der Landesverbände. Auch die Wählermeinung müsse in die Entscheidung einbezogen werden, meint man in seinem Lager. Die Umfragen jedoch sprächen eindeutig für eine Nominierung Markus Söders.

Aus Sorge um die Zukunft der Partei springt nun sogar Friedrich Merz als ehemals größter Konkurrent Armin Laschets letzterem bei. In einem offenen Brief wirft Merz dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, Laschet im offenen Machtkampf demontieren zu wollen und auf diese Weise letztlich der Union massiv zu schaden. Über den Brief hatte zuerst die „Bild“ berichtet und Merz in folgender Form zitiert: „Bei allem Verständnis für die CSU und ihren Vorsitzenden: Macht sich die CSU klar, was es bedeutet, innerhalb von wenigen Wochen den nächsten Parteivorsitzenden der CDU zu demontieren?“

In dem Schreiben an seinen Wahlkreis Hochsauerlandkreis, das auch der BAYERN DEPESCHE vorliegt, führt Friedrich Merz weiterhin aus: "Armin Laschet ist in der Woche nach dem Parteitag mit 83,3 Prozent als Parteivorsitzender der CDU bestätigt worden. Das war das Votum der Partei, klar und eindeutig." Laschet sei zwar kein "Liebling in den Umfragen" und es existierten durchaus auch Vorbehalte innerhalb der CDU. Zur Identität der CDU gehöre es aber auch, "dass sie auch bereit ist, sich dem häufig sehr flüchtigen Zeitgeist entgegenzustellen und ihre gewachsenen Wertvorstellungen über die eigene Person zu stellen".

Haushoch überlegen ist Markus Söder Armin Laschetzumindest im Hinblick auf seine populistischen Fähigkeiten, die er auch im aktuellen Machtkampf zu nutzen sucht. Seine Legitimation als Kanzlerkandidat zieht er auch aktuell aus den genannten besseren Umfragewerten, wobei er den Führungsgremien der Partei bei der anstehenden Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle einräumt. Er stellt sich öffentlich als der Macher dar, der die Zukunft der CDU/CSU sichern kann, ähnlich wie wir es von ihm auch als entschlossener und angeblich erfolgreicher Bekämpfer der Corona-Pandemie kennen. An letzteren „Erfolgen“ sollte er inzwischen aber durchaus gemessen werden. Führend ist Markus Söder sicher auch in Fragen des Opportunismus und der politischen Wandlungsfähigkeit. Wären wir noch im Landtagswahlkampf des Jahres 2018, in dem er sich noch ein Wettrennen mit der AfD in Sachen Migrationspolitik lieferte, kämen wir mittlerweile kaum umhin, ihn sogar als „Rechtspopulisten“ zu kategorisieren. Dies bleibt uns jedoch glücklicherweise inzwischen erspart, da er sich ja nun deutlich linksgrünen Ideen zugewandt hat und entsprechende Bündnisse für sein zukünftiges Fortkommen vorbereitet.

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