bayern-depesche.de

Freigegeben in Politik

Schwere Niederlage oder Achtungserfolg für FPÖ-Kandidat Norbert Hofer?

Reaktionen auf die Bundespräsidentenwahl in Österreich

Dienstag, 06 Dezember 2016 18:14

Wien – Die ebenso spannende wie pannenreiche Bundespräsidentenwahl in Österreich ist entschieden: Der Grüne Alexander Van der Bellen konnte sich bei der Wiederholung der Stichwahl am vergangenen Sonntag mit 51,7 Prozent (Ergebnis ohne Briefwähler) gegen seinen Kontrahenten Norbert Hofer von der FPÖ durchsetzen. Für FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache ist dies zweifelsohne eine bittere Niederlage, aber kein Weltuntergang. Schließlich erreichte Hofer das beste Ergebnis für die Freiheitlichen aller Zeiten. „Die Zeit war noch nicht reif dafür, aber vielleicht ist sie es das bei der nächsten Bundespräsidentenwahl“, so Strache am Wahlabend. Der Unterlegene kündigte bereits an, zur nächsten Präsidentenwahl wieder antreten zu wollen.

In einer Erklärung auf Facebook schrieb HC Strache: „Ich gratuliere Alexander van der Bellen, wünsche ihm Glück und lade alle Österreicherinnen und Österreicher ein, darauf zu vertrauen, dass er ein Bundespräsident aller Österreicherinnen und Österreicher sein wird. Jeder hat einen Vertrauensvorschuss verdient, das ist das grundlegende Fairnessprinzip jeder Demokratie. Der heutige Sonntag hat nicht den Sieger gebracht, den wir uns gewünscht haben, war aber wie jeder Wahltag trotzdem ein Sieg – für die Demokratie!“

Als eine gute Basis für weitere Wahlen bezeichnete der stellvertretende Bundesobmann der FPÖ und Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus das Ergebnis: „Natürlich ist das nicht schön. Wir haben gekämpft wie die Löwen, und das werden wir auch weiterhin tun. 46 bis 47 Prozent der Stimmen für einen freiheitlichen Kandidaten sind aber allgemein ein sehr gutes Zeichen“, so der freiheitliche Jungpolitiker gegenüber der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

Auch der FPÖ-Generalsekretär und -Europaabgeordnete Harald Vilimsky verbreitete keine Untergangsstimmung, sondern sprach von „einer Sensation mit Schönheitsfehlern“. Jeder Zweite in Österreich habe Freiheitlich gewählt. Dies zeige das große Potential auch für die Partner in Europa, womit Vilimsky in erster Line Marine Le Pen in Frankreich gemeint haben dürfte. Die Vorsitzende des Front National hat durchaus Chancen, die französische Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu gewinnen.

Erleichtert reagierten die Regierungen der europäischen Nachbarländer Österreichs auf die Wahl Van der Bellens. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) zeigte sich zufrieden und bezeichnete 47 Prozent Zustimmung für Hofer als „eine schwere Niederlage für Nationalismus, Rückwärtsgewandtheit und antieuropäischen Populismus“. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Montag: „Ich freue mich, dass Herr Van der Bellen gestern in Österreich gewonnen hat.“ Sein Vorhaben, „alles daran zu setzen, auch die Bevölkerung in Österreich wieder zusammenzuführen“, sei „richtig“.

Artikel bewerten
(7 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten