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Klimagerechten Waldumbau mit einheimischen Arten - Heilpraktiker und Naturmedizin stärken

Neues Positionspapier der bayerischen AfD-Landtagsfraktion

Sonntag, 31 Januar 2021 18:07

München - Die so genannte „11-er Gruppe“ der als gemäßigt geltenden AfD-Abgeordneten in der bayerischen Landtagsfraktion hat ein neues Positionspapier erarbeitet, das sich neben den Themenbereichen Wirtschaft (Franz Bergmüller MdL), digitale Freiheit und Sicherheit (Gerd Mannes MdL), Grundrechte (Dr. Anne Cyron MdL, Ulrich Singer MdL), Energie (Josef Seidl MdL), Energiebedarf Bayerns als Hochindustrieland (Josef Seidl MdL), Landwirtschaft (Ralf Stadler MdL), Innenpolitik (Christian Klingen und Jan Schiffers MdL), Bildungspolitik und Bildungsgerechtigkeit (Dr. Anne Cyron MdL), ÖPNV in Bayern (Josef Seidl MdL), Kernthemen der AfD zum Europaprogramm, auch mit interessanten umweltpolitischen und gesundheitspolitischen Aspekten auseinandersetzt.

Ausgearbeitet wurden die letztgenannten Themenbereiche von Andreas Winhart MdL, mit dem BAYERN DEPESCHE ein ausführliches Gespräch führte.

Die erörterten Fragen bezogen sich vornehmlich auf die Themenbereiche klimagerechter Waldumbau, Heilpraktikerwesen und Naturmedizin.

Das genannte Positionspapier dürfte die Grundlage für weitere zukünftige Anträge der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag sein. Auch wenn wie in anderen Länderparlamenten und auch im Deutschen Bundestag AfD-Anträge grundsätzlich von den anderen Parteien abgelehnt werden, bemüht man sich im vorliegenden Rahmen dennoch um Beiträge zu einer sachbasierten bayerischen Landespolitik. Dass Oppositionsarbeit grundsätzlich Not tut, dürfte gerade im Rahmen der aktuellen Corona-Pandemie angesichts des flächendeckenden Scheiterns von Bundesregierung und Landesregierungen einer Vielzahl von Bürgern durchaus bewusstgeworden sein. Erinnert sei hier lediglich an die nicht enden wollende Reihe von Testpannen und aktuell vor allem Unzulänglichkeiten bei den laufenden Impfbemühungen. Das gesamte Ausmaß des Versagens und der Fehleinschätzungen dürfte sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen. Bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass die Bundesrepublik Deutschland und auch Bayern im internationalen Vergleich sehr unzulänglich durch die bisherigen Stadien der Krise geführt wurde. Wie auch immer man der AfD als Parteigrundsätzlich gegenüberstehen mag, widerspricht es in jedem Falle grundlegenden demokratischen Prinzipien, wenn von ihren Vertretern eingebrachte Anträge grundsätzlich abgelehnt werden. Auch die AfD-Abgeordneten sind ohne Zweifeldemokratisch gewählt und legitimiert. Die allgemein in den Parlamenten geübte Praxis schneidet daher einer nicht unerheblichen Zahl von Wählern in unzulässiger Weise wesentliche Teile ihrer Möglichkeit der Mitwirkung an der politischen Willensbildung ab und fördert insoweit auch weiter die Politikverdrossenheit. Jedem neutralen Beobachter dürfte bewusst sein, dass nicht jeder AfD-Antrag unsinnig oder schlecht sein kann. Erst recht dürfte außer Frage stehen, dass auch eine Vielzahl der Anträge der Regierungsparteien in hohem Maße fragwürdig und fehlerhaft ist. Schon aus diesem einen Grunde bezeichnen und betrachten sich daher die altgedienten und etablierten Parteien zu Unrecht als lupenreine Demokraten.

Nachfolgende Ausführungen sollen daher ein Schlaglicht auf interessante aktuelle Anregungen der Partei zu Umweltfragen werfen. Gerade in diesem Themenbereich wird der AfDvielfach jedwede Kompetenz abgesprochen, was unzweifelhaft damit zusammenhängt, dass ein großer Teil der Mitglieder sich weigert, den aktuellen Klimawandel als menschengemacht anzuerkennen. Umweltpolitik besteht jedoch ohne Frage nicht lediglich aus dem AspektKlimaschutz, weswegen differenzierte Betrachtungsweisen derEinzelpositionen Not tun. Auch ist nicht jedes Mitglied der Partei notwendig ein Klimafeind. Lockere Gespräche mit dem bayerischen Abgeordneten Christian Klingen drehen sich beispielsweise vielfach um seine Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen, deren Vorzüge er nicht müde wird zu betonen. Auch privat greift er mit großer Überzeugung auf ein entsprechendes Produkt zurück.

Doch zurück zu den Gedanken Winharts zum Thema Waldumbau:

Andreas Winhart möchte zunächst den Grundsatz „Wald vor Wild“ aus dem Waldgesetz streichen und dafür den Grundsatz „Wald und Wild“ verankern, da ihm ein ganzheitlicher Arten- und Naturschutz am Herzen liege. Dieser Gedanke ist richtig und nachvollziehbar, da zum Ökosystem Wald nun einmal Pflanzen und Tiere gleichermaßen gehören. Ein Grundsatz „Wald vor Wild“ kann in der Gesamtheit nur zu einseitigen Betrachtungsweisen und damit verbunden einer weiteren Störung der Ökosysteme führen. Weiterhin spricht sich Winhart gegen die unkritische Ansiedelung standortfremder, sogenannter „klimaresistenter“ Baumarten wie der Libanon-Zeder aus. Den Waldumbau möchte er durch die Pflanzung von Mischbeständen aus heimischen, mitteleuropäischen sowie alpenländischen Baum- und Straucharten erreichen. Neophyten werden sich seiner Einschätzung nach im Rahmen der Klimaänderung ohnehin ansiedeln, wobei sich dann zwangsläufig zeigen würde, ob sie für die bayerischen Standorte geeignet sind. Hier hat Winhart richtigerweise die Gesamtheit der Ökosysteme mit ihren verschiedenen Symbiosen im Auge.

Ein Wald lebt vom Zusammenleben der verschiedenen eiheimischen Tiere, Pflanzen, Baumarten und Sträucher, insbesondere jedoch auch von der Symbiose der Bäume mit einer Vielzahl von Pilzen. Hier ist völlig unklar, wie sich diese Gefüge durch die unüberlegte und unkritische Verbreitung von Neophyten verändern werden. Nicht unwahrscheinlich ist dabei, dass eine Gefährdung weiterer Arten damit verbunden sein wird. Beispielsweise können durch eine derartige Umgestaltung des Waldes einheimische Pilzarten verdrängt werden, die wiederum für weitere Pflanzen und Tiere von Bedeutung sind. Auch wenn es durchaus sinnvoll sein mag, neue Bestände möglichst auf breiter Basis aufzubauen, damit in schwierigen Zeiten zumindest ein Teil der Jungbäume überlebt, gibt es zur Pflanzung von Neophyten durchaus gleichwertige Alternativen. Seit jeher sind auch in Bayern trockene und teilweise wärmere Landstriche anzutreffen, auf denen sich über die vielen Jahrtausende seit der letzten Eiszeit einheimische Vertreter unserer bekannten Baumarten entwickelt haben. Deren Genpool gilt es zu nutzen. Zum einen findet man auf derartigen Standorten ohnehin geeignetere einheimische Arten, zum anderen haben sich einige Arten auch generell über die Zeit an trockenere und wärmere Standorte angepasst. In entsprechenden Gegenden sollte geeignetes Saatgut gewonnen werden, das dann in ganz Bayern und gerade auch auf schwierigeren Standorten Verwendung finden kann. Ähnliche Effekte können auch mit Setzlingen einheimischer Baumarten erzielt werden, die teilweise aus trockeneren und wärmeren europäischen Gebieten kommen. Erinnert sei hierbei als Beispiel an Buchensetzlinge aus der Ukraine oder den Karpaten, die ebenfalls weniger empfindlich gegen Trockenheit und Hitze zu sein scheinen. Die Verwendung von entsprechenden Jungbäumen reduziert gleichzeitig auch den Wildverbiss, da insbesondere das Rotwild auch sehr schnell eine geschmackliche Vorliebe für bisher nicht dagewesene und seltenere „Exoten“ entwickelt.

Während die Bundesregierung über eine Reform oder gar Abschaffung des Heilpraktikerberufes nachdenkt, stellt die Naturmedizin nach Auffassung Winharts und der AfD eine sinnvolle Ergänzung oder gar Alternative zur Schulmedizin dar. Deren Bestand möchte man fördern und ausbauen. Die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke soll weiterverfolgt werden. Die Forschung auf dem Feld der Naturmedizin und im Bereich alternative Heilmethoden könnte laut Vorschlag der Partei an bayerischen Universitäten und Forschungseinrichtungen sogar durch ein spezielles Programm finanziell gefördert werden. Während ein Gesundheitsminister Jens Spahn mit allgemein bekannter Lobbyvergangenheit unsere Gesellschaft speziell auch im Rahmen der aktuellen Coronapolitik geradezu in eine Abhängigkeit von internationalen Pharmakonzernen treibt, möchte man hier auf altbewährte und jederzeit verfügbare heimische Verfahren zur Stärkung und Wiederherstellung der Gesundheit setzen. Das Interesse an Heilpflanzen und der Naturmedizin ist in der Bevölkerung nach wie vor groß und derzeit wohl sogar im Wachsen begriffen. Insoweit erscheint der AfD-Ansatz durchaus schlüssig, eine Abschaffung des Heilpraktikerberufes würde einen regelrechten Anachronismus darstellen. Es ist daher zu hoffen, dass sich die Politik hier einmal der übermächtigen Pharmalobby klar widersetzt, tatsächlich sachorientiert und in regionalen und nationalen Kategorien denkt sowie im Sinne der Bürger handelt. Immer größer werdende Abhängigkeiten von synthetischen Arzneimitteln und schulmedizinischen Behandlungswegen sind ein enormes Risiko und füllen sicher nicht die Kassen von örtlichen Erzeugern und Dienstleistern, sondern verschieben gigantische Summen in die Bilanzen weniger, international tätiger Konzerne. Regional und auf natürlicher Basis erzeugte Heilmittel entlasten hingegen die Umwelt, sind stets verfügbar und senken mit einiger Wahrscheinlichkeit auch vielfach die Kosten. Dem Bürger muss in jedem Falle die Wahlfreiheit zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden erhalten bleiben.

 

Hinweis zum Positionspapier:

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