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Verfassungsschutz zählte seit 2011 bis zu 800 aus Deutschland ausgereiste Dschihadisten

Mitglied des „Islamischen Staates“ am Münchner Flughafen festgenommen

Montag, 09 November 2015 21:00
Logo des Bundesamts für Verfassungsschutz Logo des Bundesamts für Verfassungsschutz Quelle: BfV

München - Auf Veranlassung der Bundesanwaltschaft wurde am Freitag ein Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ („IS“) bei der Einreise am Münchner Flughafen festgenommen. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, besteht gegen Ali R. aus Berlin ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs. Der Verhaftete soll im Dezember 2014 nach Syrien gereist sein, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen und aktiv am Kampfgeschehen teilzunehmen. Bis Mai dieses Jahres soll der 31-Jährige im Verwaltungsapparat der Terrormiliz tätig gewesen sein und neue Kämpfer in Syrien betreut haben. Nach bisherigem Ermittlungsstand hat Ali R. außerdem Hüllen für Sprengfallen gebaut und als Waffenträger einen Versorgungskonvoi des muslimischen Extremisten begleitet.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz zählte seit 2011 700 bis 800 aus Deutschland ausgereiste Dschihadisten, die in Syrien und im Irak für den „Islamischen Staat“ kämpfen. Die von dort Zurückgekehrten gelten den Sicherheitsbehörden als hochgradige Gefährder der inneren Sicherheit. Die Bundesstaatsanwaltschaft erließ deshalb unlängst Haftbefehl gegen den aus Bremen stammenden „IS“-Kämpfer Harry S., der Ende Juli nach Deutschland zurückgekehrt war und dem die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat vorgeworfen wird. Nach Einschätzung der Behörden sind Dutzende aus Deutschland kommende Terrormilizionäre bereits bei Kampfhandlungen umgekommen. Ein relativ prominentes Beispiel ist Denis Cuspert alias Rapper Deso Dogg, der mit seinen Propaganda-Auftritten den „Islamischen Staat“ für deutsche Islamisten bekannt und attraktiv machte. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums ist der 39-jährige Berliner nun in der Nähe der syrischen Stadt Rakka bei einem Raketenangriff ums Leben gekommen.

Im Juni sorgte der Tod des aus der Oberpfalz stammenden „IS“-Kämpfers Mehmet C. für Schlagzeilen in der Regionalpresse. Der Weidener Islamist Irfan Peci enthüllte in seinem Buch „Der Dschihadist. Terror Made in Germany – Bericht aus einer dunklen Welt“, dass sein enger Freund Mehmet C. an der Seite von Denis Cuspert in Syrien kämpfte und dort starb. Peci war früher der Deutschland-Chef der „Globalen Islamischen Medienfront" (Gimf) und ein V-Mann des Verfassungsschutzes. In seinem Buch gibt der in Serbien geborene 26-Jährige Einblicke in seine Jugendzeit in Weiden und seine ersten Kontakte in die Islamisten-Szene. Sein in Syrien getöteter Mitstreiter Mehmet C. war vor seiner Radikalisierung im Landkreis Neustadt an der Waldnaab begeisterter Vereinsfußballer. Bei den Sicherheitsbehörden des Freistaates gelten das Islamische Zentrum in Weiden und die As-Salam-Moschee in Schwandorf als Hochburgen der Salafisten-Szene. Alleine aus Weiden sind mehrere Salafisten nach Syrien ausgereist, um für den „IS“ zu kämpfen.

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sagte bereits im März: „Deutsche Dschihadisten werden von der Terrorgruppe IS regelrecht verheizt“. In jüngster Zeit beobachten die Sicherheitsbehörden, dass sich auch immer mehr Frauen dem „Islamischen Staat“ anschließen.

Letzte Änderung am Dienstag, 10 November 2015 00:06
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