bayern-depesche.de

Freigegeben in Politik

Bundesinnenministerium hält Rückführungen in gesicherte afghanische Provinzen für unproblematisch

Mit dritter „Sammelabschiebung“ wurden 18 afghanische Asylbewerber in Heimat zurückgeflogen

Freitag, 24 Februar 2017 23:29
Mit dritter „Sammelabschiebung“ wurden 18 afghanische Asylbewerber in Heimat zurückgeflogen Bild: Map Data © 2015 Google

München/Kabul - Am Mittwochabend startete erstmals vom Flughafen München ein Sammelcharter mit 18 abgelehnten afghanischen Asylbewerbern an Bord. Sie wurden nach Kabul ausgeflogen, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihren Asylantrag bestandskräftig abgelehnt und keiner von ihnen Deutschland innerhalb der gesetzten Frist freiwillig verlassen hatte.

Von den 18 Asylbewerbern des dritten Sammelflugs waren fünf aus Bayern, vier aus Baden-Württemberg, vier aus Hessen, zwei aus Hamburg, zwei aus Sachsen-Anhalt und einer aus Rheinland-Pfalz. Dabei handelte es sich um alleinstehende junge Männer, darunter auch Straftäter. 

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums und des Auswärtigen Amtes, die sich auf aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen der in Afghanistan eingesetzten Einsatzkräfte stützen, sind Rückführungen in gesicherte afghanische Provinzen bedenkenlos möglich. Welche Personen wohin abgeschoben werden, entscheidet das Bundesamt im Asylverfahren. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu: „Bedrohungen durch radikale Kräfte sind nicht allein ein Problem Afghanistans, sondern in vielen Teilen der Welt leider allgegenwärtig. Afghanische Sicherheitskräfte sorgen mit Unterstützung deutscher Bundeswehrsoldaten und Polizisten für die Sicherheit der dort lebenden Menschen und für eine weitere Stabilisierung des Landes.“  

Die Zahl der Abgeschobenen nimmt trotz großen Mediengetöses mit jeder „Sammelabschiebung“ ab. Wurden beim ersten Sammelcharterflug am 14. Dezember 2016 noch 34 Afghanen abgeschoben, waren es beim zweiten Flug am 23. Januar 2017 nur noch 26. Am Mittwoch mussten dann 18 abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimat zurückkehren. 

Dabei sind die Kosten für diese Maßnahmen beträchtlich. Im Januar berichtete die „Bild“-Zeitung, dass sich an Bord des zweiten Sammelflugs neben den Asylbewerbern auch 79 Polizisten, Ärzte, Mitglieder einer Anti-Folter-Kommission, ein Dolmetscher sowie ein Beamter der EU-Grenzschutzagentur „Frontex“ befanden. Damit wurden jedem Abschiebe-Passagier drei Polizisten als Aufpasser zur Seite gestellt. „Bild“-Informationen zufolge beliefen sich die Kosten allein für diese Rückführungsaktion auf 350.000 Euro. 

In dem Artikel „Ab nach Kabul“ vom 5. Januar 2017 weist das Magazin „Stern“ darauf hin, dass Afghanen nach Syrern die mit Abstand zweitgrößte Flüchtlingsgruppe in Deutschland sind. Von Januar bis Ende November 2016 hätten hierzulande fast 125.000 Afghanen Asyl beantragt. Laut „Stern“ gibt es 60.000 afghanische Staatsbürger, die von Gesetzes wegen nicht in Deutschland bleiben dürfen. 

Sollte es bei monatlich einem Sammelcharter mit diesen niedrigen Belegungszahlen bleiben, bräuchte Deutschland viele Jahrzehnte, um alle ausreisepflichtigen Afghanen zurückzuführen.

Letzte Änderung am Samstag, 25 Februar 2017 14:38
Artikel bewerten
(7 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten