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Kein Sonderparteitag der AfD

Marcus Pretzell im AfD-Landesverband NRW unter Druck

Freitag, 19 August 2016 15:49
Marcus Pretzell im AfD-Landesverband NRW unter Druck Quelle: Screenshot - http://www.marcus-pretzell.de vom 19.08.2016

München - Der Konvent der AfD entschied sich nach einer 11-stündigen Sitzung mit großer Mehrheit gegen einen Sonderparteitag. Dieses Votum schien voraussehbar, nachdem sich zahlreiche AfD Granden wie Alexander Gauland, Björn Höcke, Georg Pazderski, Uwe Junge sich im Vorfelde öffentlich klar und deutlich gegen einen Sonderaparteitag ausgesprochen hatten.

Kein geringerer als der Petry getreue Uwe Wurlitzer, seines Zeichens sächsischer Generalsekretär und parlamentarischer Geschäftsführer im Landtag des Landes Sachsen, stellte den Antrag auf einen Sonderparteitag, weshalb davon auszugehen ist, dass Frauke Petry den Sonderparteitag wünschte. 

Im Bundesvorstand fand sich jedenfalls keine Mehrheit für einen Sonderparteitag. Auf einem Sonderparteitag und Neuwahlen hätte sich Frauke Petry von der Basis als die Nr. 1 in der AfD bestätigen lassen können. Ihre Wiederwahl wäre in der jetzigen Verfassung der Partei sehr wahrscheinlich gewesen. 

Der Konventstermin mag vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise verfrüht und unglücklich gewählt worden sein. Jedoch arbeitet die Zeit gegen Frauke Petry und ihren Lebensgefährten Marcus Pretzell. Denn bei der Landeswahlversammlung am ersten September-Wochenende 2016 in NRW will Thomas Röckemann (Minden) als unabhängiger Kandidat gegen den NRW-Landessprecher Marcus Pretzell antreten. In der Zeitschrift Compact des Jürgen Elsässer durfte Thomas Röckemann ein ausführliches Interview abgeben. Die Machtverhältnisse scheinen sich auch in NRW zu Lasten von Frauke Petry und Marcus Pretzell zu verschieben. 

Thomas Röckemann als einer der sechs gewählten Bundesschiedsrichter und Mitglied der 1. Spruchkammer des AfD Bundesschiedsgerichts bescherte dem Bundesvorstand die von der Patriotischen Plattform initiierte Aufhebung des Beschlusses, dass AfD-Mitglieder nicht als Redner bei PEGIDA-Veranstaltungen auftreten sollen. Eine ähnliche Schlappe musste Frauke Petry bei der Auflösung des saarländischen AfD-Landesverbandes hinnehmen. Der Bundesvorstand hatte per Beschluss, der am Parteitag Anfang Mai mit knapper Mehrheit bestätigt wurde, die Saar-AfD wegen ihrer Kontakte zu Rechtsextremen aufgelöst. Die 2. Spruchkammer des Bundeschiedsgerichts hob jedoch diesen Beschluss wieder auf und wird die einstweilige Aufhebung aller Wahrscheinlichkeit auch im Hauptverfahren bestätigen. Die beiden P´s, Frauke Petry und Marcus Pretzell, wissen oder ahnen um ihren Machtverlust. Der innerparteiliche Machtkampf um die Ausrichtung der Partei scheint nach außen hin durch die Entscheidung des Konvents gestoppt zu sein, geht aber parteiintern munter weiter.

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