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Bistum Regensburg will Asylbewerber nun zur Räumung des besetzten Pfarrheims bewegen

Kirche zeigt Asylanten wegen Hausfriedensbruch an und verweigert ihnen Lebensmittel

Montag, 08 August 2016 16:47
Regensburger Dom St. Peter Regensburger Dom St. Peter Quelle: de.wikipedia.org | Bkmd

Regensburg - Selbst der betont flüchtlingsfreundlichen Kirche reißt irgendwann der Geduldsfaden, wenn ihr Entgegenkommen von Asylbewerbern wochenlang missbraucht wird.

Anfang Juli besetzten mehr als 40 Roma aus Albanien, Mazedonien, Serbien und dem Kosovo den Regensburger Dom und zogen mit ihrem Hab und Gut in den linken Seitenflügel des Gotteshauses ein.Die abgelehnten und teilweise ausreisepflichtigen Asylbewerber protestierten gegen drohende Abschiebungen und die Einordnung der Balkanländer als sichere Herkunftsstaaten. Auf mitgeführten Transparenten war zu lesen: „Bleiberecht für alle“, „Wir sind nicht zu stoppen“ und „Alle Roma bleiben hier“. 

Die Protestierenden, die von der Hamburger Organisation „Romano Jekipe Ano“ unterstützt werden, bekamen vom Bistum Regensburg politisch den Rücken gestärkt sowie Essen, Trinken und Feldbetten von den Maltesern gestellt. Das Bistum rief sogar zu Gebeten für die Asylbewerber auf und erklärte, dass man ausdrücklich keinen Polizeieinsatz zur Räumung des besetzten Doms wünsche. Etwas später durften die Roma ins Pfarrheim St. Emmeram umziehen.

Mit dieser Zurückhaltung seitens der Kirche ist es nun vorbei, nachdem die Asylbewerber zwischenzeitlich in einen Hungerstreik eingetreten waren, um sich über das Essen zu beschweren und eine Art Taschengeld-Zahlung der Kirche zu erpressen. Außerdem drohten sie mehrfach damit, sich selbst und ihre mitgebrachten Kinder anzuzünden. 

Am letzten Freitag teilte das Bistum Regensburg mit, dass alle Vermittlungsversuche gescheitert sind und man gegen die Asylbewerber im Pfarrheim nun Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt hat.

„Die intensiven, stundenlangen Gespräche mit einigen Personen im Pfarrheim St. Emmeram müssen als gescheitert angesehen werden. Zunächst hatten einige Personen den Willen zur Rückreise in die ursprüngliche Unterkunft bekundet, dann aber unerfüllbare Bedingungen gestellt“, ist in einer kirchlichen Presseerklärung zu lesen.

Weiter heißt es: „Das Bistum hat angesichts dessen keine andere Wahl als weiter den Druck zu erhöhen und hat deshalb in Rücksprache mit den Behörden festgelegt, gegen die 25-köpfige Gruppe Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch zu stellen und ab Samstag die Versorgung mit Nahrungsmitteln einzustellen. Ein Notarzt ist erreichbar.“ Die ganze Gruppe oder einzelne Personen der Gruppe könnten jederzeit das Pfarrheim verlassen und mit ihrer zuständigen Ausländerbehörde die nächsten Schritte besprechen. 

Generalvikar Michael Fuchs verurteilte in diesem Zusammenhang das wiederholte Vorschieben der Kinder für die unerfüllbaren Forderungen der Asylbewerber: „Während Eltern in Not normalerweise ihre Kinder möglichst aus Auseinandersetzungen und Veröffentlichungen heraushalten, wurden diese Kinder von Anfang an benutzt als Transparent-Halter, als Foto-Objekte an der Protestfront, ja in konkreten Drohungen sogar als mögliche Waisenkinder durch Selbstmord der Erwachsenen und als mögliche Tötungsopfer.“ Schon der Kinder wegen müsse „dieses verantwortungslose Agieren der Eltern jetzt schnell ein Ende haben“, so Fuchs.

Trotz der Strafanzeigen ist der Großteil der Roma-Gruppe auch über das Wochenende im Pfarrheim geblieben. Einem Bistumssprecher zufolge ist mittlerweile die Lebensmittelversorgung eingestellt worden, um den Druck zum Verlassen des Gebäudes zu erhöhen.

Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte die Verweigerung von Lebensmittellieferungen an die Besetzer scharf und erklärte: „Das Vorgehen der Bistumsleitung ist empörend und stößt auf völliges Unverständnis.“ Für die Mehrheit der Regensburger spricht der Flüchtlingsrat damit nicht.

Letzte Änderung am Montag, 08 August 2016 16:56
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