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Graswurzelbewegung innerhalb einer neuen Partei

Kein Establishment: Corinna Miazga (AfD) spiegelt die AfD Basis wider

Mittwoch, 15 August 2018 22:49
Die Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka, Corinna Miazga und Peter Felser Die Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka, Corinna Miazga und Peter Felser Quelle: BAYERN DEPESCHE

Straubing – Corinna Miazga (Jahrgang 1983) ist sicher nicht AfD Establishment! Die junge Frau eckt an. Aber Miazga bewegt auch etwas. Politische Gegner und Mainstream-Medien bezeichnen die Alternative für Deutschland (AfD) oft als eine Partei „alter weißer Männer“. Diese despektierliche Beschreibung haben sich die Kritiker aus Amerikaabgeschaut, wo die Wähler Donald Trumps genauso charakterisiert werden. Nicht abzustreiten ist, dass die Anhängerschaft der AfD tatsächlich vornehmlich aus Männern in gesetztem Alter besteht, doch allein schon die Tatsache, dass mit Alice Weidel eine dynamische und kämpferische Frau im Deutschen Bundestag den Ton angibt, belegt, dass das Klischeebild der wutbürgerlichen Altherrenpartei so nicht stimmt.

In den Reihen der AfD finden sich einige Frauen, die selbstbewusst „ihren Mann stehen“. Eine von ihnen ist die Straubinger (Niederbayern) Kreisvorsitzende Corinna Miazga, die seit Oktober 2017 Mitglied des Bundestages ist und dort dem Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union als ordentliches Mitglied und dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft als stellvertretendes Mitglied angehört. Die 35-Jährige ist der AfD schon im Gründungsjahr 2013 beigetreten und arbeitet seit 2016 in der Programmkommission ihres Landesverbandes mit. Im Bundestagswahlkampf 2017 war sie Wahlkampfkoordinatorin für Niederbayern und Mitglied im Kampagnenteam der AfD. Bei der Wahl erhielt sie dann in ihrem Wahlkreis Straubing-Bogen das zweitbeste Ergebnis im Freistaat.

Engagierte Sportlerin mit Heimatbewusstsein

Die begeisterte Hobby-Sportlerin, die schon als ehrenamtliche Jugendtrainerin beim Handball und American Football tätig war, ist der Ansicht, dass jung und konservativ gut zueinander passen. In Zeiten von Globalisierung und Migrationskrise würden junge Menschen traditionelle Werte neu entdecken und Orientierung suchen, auch „wegen der laschen deutschen Gesetzgebung“, wie Miazga gegenüber dem „Spiegel“ erklärte. Sie selbst führt in ihrem Landkreis regelmäßig politische Stammtische durch, an denen vermehrt Jüngere teilnehmen. Auch Zaungäste von der politischen Konkurrenz der CSU wurden dort bei Weißbier und Brezn schon gesichtet.

Die blonde AfD-Politikerin setzt auf Heimatbewusstsein – dabei stammt Miazga ursprünglich aus Oldenburg in Niedersachsen, ist also keine gebürtige Bayerin, doch das Dirndl steht ihr gut. Die Liebe hat sie 2009 in den Süden verschlagen, und sie erkennt einige Parallelen zwischen ihrer Heimatregion und der Wahlheimat. „Meine niedersächsische Herkunft hat mich geprägt: Das erdverbundene, bodenständige Leben in einer norddeutschen Kleinstadt zeigt viele Parallelen zum ländlichen Bayern. Bei allen Unterschieden habe ich für mich eine Kombination beider Welten gefunden, die jeweils das Beste beinhaltet: Heimatverbundenheit und ehrliche Direktheit sind die Werte, auf die ich baue“, schreibt sie auf ihrer Internetseite.

Zur Heimat hat sie unlängst auch das „Compact“-Magazin befragt. Die in Brandenburg ansässige Zeitschrift hatte im Juni 2018 ein entsprechendes Titelthema, und Miazga machte im Interview deutlich, dass sie die AfD als neue bayerische Heimatpartei sieht. Die CSU repräsentiert für sie hingegen nur noch einen Abglanz einstiger Größe unter ihrem legendären Vorsitzenden Franz-Josef Strauß. „Die CSU beschwört die Weltoffenheit, und so macht sie auch Politik“, so Miazga im Video-Interview mit „Compact“-Chefredakteur Jürgen Elsässer. Und dies sei insbesondere daran festzumachen, „dass sie nichts für den Erhalt der Heimat tut“. Markus Söder und Horst Seehofer würden zwar immer viel versprechen, aber am Ende nicht umsetzen. „Heimat bedeutet ja letztendlich auch, dass man die Identität bewahrt“, unterstrich die AfD-Politikerin. Diesem Anspruch sei insbesondere Bundesinnenminister Seehofer nicht gerecht geworden.

Moderne Konservative mit Biss

Corinna Miazga verkörpert für viele Anhänger einen modernen Konservatismus fernab von reaktionärem Spießertum. Sie selbst habe während eines Schülerjobs an der Supermarktkasse ihr politisches Erweckungserlebnis gehabt. Damals war sie 18 Jahre alt, und der Euro wurde gerade eingeführt. Sie habedann die D-Mark der Kunden in einen Eimer geworfen und die neue Währung als Wechselgeld herausgegeben. Dies hat ihr nicht behagt. „Die D-Mark wegzuschmeißen, das war für mich ein Kulturverlust“, erinnerte sie sich laut„Spiegel“.

Nach dem Abitur im Jahr 2003 begann Miazga ein Studium der Rechtswissenschaften in Passau und ging somit erstmals auf Tuchfühlung mit ihrer jetzigen bayerischen Wahlheimat. „Ab dem sechsten Semester hatte ich bereits zur Finanzierung des Studiums intensiv als Werkstudent in den Rechtsabteilungen großer Unternehmen unter anderem in Hamburg gearbeitet. Nebenbei sammelte ich sportliche Erfahrungen in der ersten Bundesliga im Damen-Football“, schreibt sie auf ihrer Website. Sie arbeitete unter anderem für Shell, BMW, Ferchau Engineering und Continental, bevor sie sich akademisch auf den Bereich Wirtschaftsrecht konzentrierte und nun, neben ihrer Tätigkeit als Bundestagsabgeordnete, an ihrem Bachelor of Law bastelt.

Dass sie eine durchsetzungsfähige Frau mit Biss ist, hat Corinna Miazga schon als Spielerin in der ersten Damen-Football-Liga bewiesen – doch auch das soziale Engagement ist der jungen, verheirateten AfD-Politikerin wichtig. Die „Nordwest-Zeitung“ verlieh ihr einst den „Preis des Ehrenamts“, weil sie im Oldenburger Land beim Impuls-Kino e. V. regelmäßige Kinoabende für Kinder und Erwachsene organisierte. Die allgemeine Entwicklung in Europa sieht sie hingegen skeptisch. Gegenüber dem „Deutschlandfunk“ erklärte sie, dass sie sich im Rahmen ihrer Arbeit im EU-Ausschuss des Bundestages vor allem dafür einsetzen möchte, den Einfluss Brüssels zu vermindern.

Dazu hätte sie allerdings auch gerne einen Sitz im Innenausschuss bekommen. Miazga im „Deutschlandfunk“-Interview: „Wenn Sie eine EU-Richtline bekommen, haben sie oft die Aufgabe, das dann im Inland, in Deutschland, umzusetzen. Und da ist man natürlich ganz stark mit dem Innenausschuss in Verbindung. Also was von der EU kommt, landet am Ende immer im Innenausschuss.“

Offenes Ohr für Landwirte und Mittelstand

Als stellvertretendes Mitglied im Landwirtschaftsausschuss setzt sich Corinna Miazga nun auch für die Interessen der Bauern ein – dieser Wirtschaftszweig ist in ihrem niederbayerischen Wahlkreis von hoher Bedeutung. Ob beim parlamentarischen Abend der Landjugend, dem bayerischen Tag der Ausbildung, dem Arbeitsfrühstück des Verbandes der kommunalen Unternehmen (VKU) oder dem parlamentarischen Abend des Bauernverbandes – überall zeigt sich die gebürtige Niedersächsin offen für die Anliegen der Landwirte und kleinen und mittelständischen Unternehmen. Politische Weggefährten beschreiben Miazga deshalb auch als eine besonders volksnahe Politikerin.

Nun steht aber erstmal der Landtagswahlkampf in Bayern vor der Tür, und es besteht kein Zweifel daran, dass sich die junge Spitzenpolitikerin der AfD oft auf den Weg von Berlin in den Freistaat machen wird, um ihre Partei zu unterstützen. Die letzte Forsa-Umfrage vom 13. August sieht die AfD mit 13 Prozent auf Platz drei, ein paar Prozente hinter den Grünen, aber noch vor der SPD. Auch wenn sich Miazga selbst nicht um ein Mandat im Maximilianeum bemüht, so hat sie doch ein großes Interesse daran, zu einem guten Ergebnis ihrer Partei beizutragen – und vor allem der CSU um Ministerpräsident Markus Söder eins auszuwischen.

Letzte Änderung am Montag, 27 August 2018 15:06
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