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AfD-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag unter Druck

Katrin Ebner-Steiner: Das harte Los der Sonnenkönige

Sonntag, 13 September 2020 09:36

München - Im keltisch-germanischen Kulturkreis ebenso wie im revolutionären Frankreich war überforderten, erfolglosen oder sonst unerwünschten Fürsten oft ein hartes Schicksal beschieden: Man ging davon aus, dass ihnen die jeweilig von ihrem Volk verehrten Götter nicht weiter gewogen waren und machte mit ihnen kurzen Prozess. Auf Ludwig XVI. wartete am Ende trotz seiner Bemühungen um die Sanierung der Staatsfinanzen die Guillotine.

Man mag sich nun fragen, was diese Sachverhalte mit den Entwicklungen in der bayerischen AfD-Landtagsfraktion zu tun haben könnten. Eingeweihten dürfte es jedoch nicht schwerfallen, auf Anhieb erhebliche Parallelen zu den genannten historischen Ereignissen und Gebräuchen auszumachen.

Nachdem man Ende des Jahres 2018 nach einem bewegten Landtagswahlkampf erstmals erfolgreich in den Landtag eingezogen war und der rechte Parteiflügel auch ausreichend, das heißt komfortabel mehrheitlich, vertreten war, errichtete Bayerns heimliche Sonnenkönigin und Co-Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner in Windeseile ihren Hofstaat, wie der Presse, beispielsweise der „Süddeutschen Zeitung“ oder der „Welt“ vielfach zu entnehmen war. Vom seinerzeitigen Glanz und Gloria ist indessen der Lack mittlerweile ab, Ebner-Steiner wurde von den bayerischen Mitgliedern aus dem Landesvorstand verbannt und wegen Erfolglosigkeit, diversen Eskapaden und fehlendem Wählerzuspruch für eine nach Rechtsaußen gerückte AfD Bayern von ihren eigenen Fraktionskollegen der Mehrheit ihrer fürstlichen Privilegien beraubt. Wie laut der „Süddeutschen Zeitung“ ein Parteiinsider bereits im Mai mutmaßte, war schon zu diesem Zeitpunkt zu erwarten, dass „Blut fließen“ werde, das Fallbeil war bereits geschärft und in Position gebracht. Die Vollstreckung musste jedoch nochmals ausgesetzt werden, da sich, wie Insider wissen, letztlich nurein Mandatsträger der Partei noch etwas unschlüssig war, letztlich aber doch um den Verlust eigener Privilegien fürchtete. Das Schicksal der einstigen Sonnenkönigin hängt jedoch nunmehr sichtlich am seidenen Faden.

Eine Luxuslimousine, die eine oder andere teure „Entspannungscouch“ und ein nibelungentreuer und gesinnungskonformer Mitarbeiterstab waren zum Leidwesen der gemäßigteren und teilweise auch bescheideneren AfD-Abgeordneten sowie der internen Rechnungsprüfer der Fraktion, allen voran zum Ärger ihres anfänglichen Co-Fraktionsvorsitzenden Markus Plenk, zunächst schnell gefunden und angeschafft, die eine oder andere Zulage ohne erkennbaren Grund und zusätzlichen Arbeitsaufwand verlieh dem höfischen Leben mehr Glanz. Ein entweder willfähriger, da politisch auf Linie liegender oder aber auch einfach nur überforderter Fraktionsschatzmeister Özkara öffnete bereitwillig auf Kosten der zahlenden Untertanen die königlichen Schatullen, wie man der Presse ebenfalls entnehmen konnte. Auch die eine oder andere zusätzliche optische Aufwertung ihres Luxuskörpers verlieh der Fürstin ein gesteigertes Maß an Autorität und Ansehen. Wäre diesem Treiben kein Einhalt geboten worden, wäre die spätere Kutschfahrt eines Ministerpräsidenten Markus Söder und einer Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Schloss Herrenchiemsee im Glanze der AfD-Fürstin Katrin I. wohl von den bayerischen Untertanen gar nicht mehr in gebührlicher Weise wahrgenommen und gewürdigt worden.

Erwartungsgemäß honorierte der bayerische Wähler eine im Sinne Katrin Ebner-Steiners von den rechtsnationalen Auslegern der Partei Höcke und Kalbitz beeinflusste AfD Bayern in keiner Weise, der Wählerzuspruch für die Partei brach in Umfragen dramatisch ein. Aber weder schwindende Erfolgsaussichtenbei Wahlen noch das Anziehen der Schrauben durch den Verfassungsschutz und die inzwischen erfolgte, zumindest formale Auflösung des nationalen „Flügels“ der AfD in die Gesamtpartei, letztlich auch der Ausschluss des ehemaligen Sprechers Kalbitz, werden die ehemalige Sonnenkönigin und die verbliebenen nibelungentreuen Mitglieder ihrer Leibgarde zu einem Umdenken oder zur Aufgabe bewegen.

Wie man einschlägigen parteiinternen Quellen bereits entnehmen kann und auch von Insidern erfährt, werden die Wunden bereits versorgt, neue Kräfte gesammelt und neue Pläne geschmiedet.Die auch in den sozialen Netzwerken vertretene „alternative Basis“ mobilisiert Gefolgsleute von Höcke und Kalbitz und versucht vor allem, den Bundessprecher Jörg Meuthen zu sabotieren und zu schwächen, unterstützt von anderen Gruppierungen wie „Blaues Ende“ oder „Nationalkonservative Wertegemeinschaft in der AfD“. So wie sich der ehemalige Sprecher des Flügels Kalbitz nun bis auf weiteres außerhalb der Partei befindet, versuchen auch die Gruppen „alternative Basis“ und „Blaues Ende“ bereits jetzt bewusst eine eindeutige Zuordnung zur AfD zu vermeiden und agieren zwar in der Partei, aber von einem unbekannten und nebulösen Standpunkt aus. Damit soll wohl zum einen noch die drohende Beobachtung der Gesamtpartei durch den Verfassungsschutz erschwert werden, andererseits stehen für den Fall eines endgültigen Scheiterns in der AfD und des Obsiegens der parteiinternen Gegner bereits gewisse eigeneund externe Strukturen und Netzwerke bereit. Wer die bereits seit Jahren bestehenden Vernetzungen der Nationalen in der rechtsextremen Szene kennt, weiterhin die beharrliche Weigerung zu jedweder Distanzierung von extremen Kräften, Parteien und Positionen, der dürfte bereits eine Vorahnung vom Wesen des Endproduktes haben, das nach einer freiwilligen oder erzwungenen Abspaltung von der AfD zu erwarten ist. Auch neue Kontakte zu Gegnern der aktuellen Corona-Politik werden bereits eifrig geknüpft und die Netze fleißig ausgeworfen. Der Schritt zu einer passenden Parteineugründung ist hier nicht mehr weit, teilweise werden jedoch die Aktivitäten auch in diverse Grauzonen und den Untergrund verlagert. Zusätzlich darf der personelle Umfang und Einfluss des ehemaligen „Flügels“ in der AfD auch nicht unterschätzt werden, mit einer spürbaren Sogwirkung zu den ehemaligen Kameraden wäre durchaus zu rechnen. Wählerzuspruch erhofft man sich insbesondere und leider nicht völlig zu Unrecht von kommenden wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen und Problemen, einer weiteren Spaltung der Gesellschaft und einer daraus resultierenden Radikalisierung einer nennenswerten Zahl von Bürgern.

Es ist also damit zu rechnen, dass auch die vorerst verhinderte bayerische Sonnenkönigin mit ihren verbliebenen Kämpfern nicht nur von Verschonung und einem auskömmlichen Leben im Exil, sondern bereits von neuen Ufern und einem neuen Reich, sowie einer ewigen Herrschaft über Gleichgesinnte träumt.

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