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Ausbau der Militärpräsenz wird mit Spannungen zu Russland begründet

Immer mehr US-Militärübungen in Grafenwöhr

Freitag, 23 Oktober 2015 05:54

Grafenwöhr - Das US-Militär führt auf dem Truppenplatz im oberpfälzischen Grafenwöhr immer mehr Übungen durch. Das Areal hat eine Fläche von 226 Quadratkilometern und ist damit der größte und gleichzeitig modernste Truppenübungsplatz der US-Armee in Europa. Der Betriebsratsvorsitzende der Zivilbeschäftigten geht von einem Anstieg der militärischen Übungen um 50 Prozent in den letzten vier Jahren aus.

Das erhöhte Truppenaufkommen in Grafenwöhr lässt sich leicht dokumentieren: Ende April 2015 war die multinationale US-Übung „Saber Junction“ mit 4.700 Soldaten zu Ende gegangen. Mit dem einmonatigen Manöver bereiteten sich die Armeen von NATO-Mitgliedern und „Partnerstaaten“ sowohl auf Defensiv- als auch auf Offensivoperationen vor. „Saber Junction“ ging nahtlos in das Manöver „Combined Resolve IV“ („Gemeinsame Entschlossenheit“) mit knapp 5.000 beteiligten Soldaten über. „Compined Resolve IV“ begann am 28. April und endete am 26. Juni. Wie der Landkreis Neustadt an der Waldnaab auf seiner Internetseite mitteilt, schloss sich im September das US-Manöver „Combined Resolve V“ an: „Vom 22. September bis zum 21. November 2015 üben die US-Streitkräfte auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels im Rahmen der multinationalen Übung Combined Resolve V. Es handelt sich hierbei um eine Übung des Joint Multinational Training Command unter Führung der US-Army. Es werden 4.600 Soldaten aus 16 Nationen teilnehmen.“

2012 hatte US-Präsident Barack Obama noch verkündet, der militärische Fokus der USA würde sich zukünftig auf Asien und den pazifischen Raum richten. Von dieser militärstrategischen Neuausrichtung ist in Grafenwöhr nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Nach Angaben von Klaus Lehl, dem Betriebsratsvorsitzenden der Zivilbeschäftigten, steigt das amerikanische Truppenaufkommen auf dem Übungsplatz stetig an. Derzeit wird dort sogar ein neues Depot für Fahrzeuge und Panzer gebaut, die längerfristig in der Oberpfalz stationiert werden sollen. Auch der ursprünglich geplante Stellenabbau ist ausgesetzt. Im Frühjahr 2014 hatte die US-Armee bekanntgegeben, in Grafenwöhr weitere 80 Stellen für Zivilangestellte zu streichen. Nach Angaben von Klaus Lehl liegt dieser Abbau „derzeit auf Eis“.

In Grafenwöhr jagt ein Manöver das nächste, als bereite sich die US-Armee auf einen unmittelbar bevorstehenden Krieg vor. Als Grund für den faktischen Ausbau der Militärpräsenz in Grafenwöhr gibt die US-Regierung den Ukraine-Konflikt und die dadurch gestiegenen Spannungen mit Russland an, zu denen sie selbst massiv beigetragen hat. Auf den oberpfälzer Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels arbeiten insgesamt 3.000 Zivilangestellte der US-Armee, in ganz Deutschland sind es rund 10.000 zivile Angestellte.

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