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Auf den Spuren des Camillo Castiglioni

Horst Seehofer entdeckt Hafen von Triest als Umschlagplatz für bayerische Industrie

Freitag, 06 Mai 2016 21:59
Triest könnte für Bayern ein wichtiger Umschlagplatz für über See transportierte Güter werden Triest könnte für Bayern ein wichtiger Umschlagplatz für über See transportierte Güter werden Quelle: HESSEN DEPESCHE

Triest - Fast hatte man die Hoffnung schon aufgegeben, doch offenbar schaffen es einzelne Politiker doch noch, strategisch für ihre Regierungsverantwortlichkeit zu denken: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die Präsidentin der Italienischen Autonomen Region Friaul-Julisch Venetien, Debora Serracchiani, getroffen. Seehofer und Serracchiani unterzeichneten bei dem Treffen in Triest einen Vertrag zur engeren Kooperation in den Bereichen Verkehr, Wirtschaft und Landwirtschaft.

Horst Seehofer betonte die Vorteile Bayerns durch eine bessere Anbindung an die italienischen Nordadriahäfen: „Schon heute ist das Transport- und Logistikgewerbe einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Freistaat. Die zentrale Lage macht Bayern zur europäischen Verkehrsdrehscheibe schlechthin. Deshalb haben wir großes Interesse an einer guten Anbindung an die Häfen der nördlichen Adria.“

In der Vereinbarung wurden auch die Einrichtung einer gemeinsamen Expertenarbeitsgruppe und eine verstärkte Zusammenarbeit bei EU-Projekten beschlossen. Gemeinsam wollen der Freistaat Bayern und die Autonome Region Friaul-Julisch Venetien den Abbau bürokratischer Hürden beim Warenumschlag vorantreiben und daran arbeiten, den Warenaustausch insgesamt zu beschleunigen und effizienter zu machen.

Dahinter steckt offenbar auch die Idee, den Hafen von Triest zu einem maritimen Umschlagsplatz für den bayerischen Industriegürtel im Raum München/Augsburg/Ingolstadt auszubauen. Der frühere Adriahafen von Österreich-Ungarn hat im italienischen Wirtschaftsraum vor allem mit Nachteilen im Vergleich zu den großen Häfen in Genua oder La Spezia zu kämpfen. Ein Engagement Bayerns könnte sich zu einem beiderseitigen Vorteil entwickeln.

Das einst stolze Triest war bis zum Ende des 1. Weltkriegs eine prosperierende Metropole. Unternehmerlegenden wie der berühmte "Haifisch" Camillo Castiglioni machten hier ihre Geschäfte und verbanden schon damals die Adria mit der bayerischen Industrie. Castiglioni erwarb und verkaufte u.a. zweimal den Motorenbau der BMW, den er mit dem Flugmotorenbau der Bayern und dem dortigen Motorradbau zusammenlegte. 

Triest liegt auch geografisch näher zu München als die großen Überseehäfen Hamburg oder Rotterdam. "Der Hafen von Triest ist der nächstgelegene Seehafen für Bayern", erklärte Ministerpräsident Horst Seehofer. Nimmt Seehofer die Chance auf und gewinnt auch die bayerische Industrie für Investitionen, "könnte es hier zu einem wirtschaftlich und nicht nur ideologisch sinnvollen Projekt Mitten in Europa kommen", erklärten auch Ökonomen aus dem benachbarten Österreich, das automatisch mit in das Projekt einbezogen würde.

Letzte Änderung am Freitag, 06 Mai 2016 22:29
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