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Zur neuen Tätigkeit gehört der Ausbau von Gewerkschaftsstrukturen

Früherer SPD-Fraktionschef Franz Maget wird plötzlich Diplomat in Nordafrika

Sonntag, 13 Dezember 2015 18:21
Franz Maget Franz Maget Quelle: maget.de

München - Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Franz Maget, hat sich beruflich neu orientiert und wird als Diplomat nach Nordafrika gehen. Schon Mitte Januar 2016 übernimmt er an der Deutschen Botschaft in Tunis die neue Funktion des Sozialreferenten.

Der Oberbayer gehörte 13 Jahre lang dem Landtag an und lenkte in den Jahren von 2000 bis 2009 die Geschicke der kleinen SPD-Landtagsfraktion. Als Spitzenkandidat führte er seine Partei 2003 und 2008 in die Landtagswahlen, die für die SPD katastrophal ausgingen. 2009 gab Maget den SPD-Fraktionsvorsitz ab und wurde im selben Jahr noch zum Vize-Präsidenten des Landtages gewählt. Im Oktober 2013 schied er aus dem Landtag aus. In der Folgezeit versuchte er außerhalb des Parlaments gesellschaftliche Akteure mit der SPD zusammenzubringen. Außerdem war der SPD-Mann publizistisch aktiv. So stellte der frühere Landtagsvizepräsident im Jahr 2014 aus Anlass des Katholikentages in Regensburg sein Buch „Kirche und SPD - Von Gegnerschaft zu Gemeinsamkeiten“ vor.

Sein Wandel vom früheren Landespolitiker zum Diplomaten im krisengeschüttelten Nordafrika kommt selbst für seine bayerischen Genossen überraschend. Dass Magets Parteifreund Frank-Walter Steinmeier Außenminister und damit Dienstherr des Diplomatischen Korps ist, dürfte den Berufsplänen sehr zuträglich gewesen sein. Auf seine neue Tätigkeit in Tunis angesprochen, sagt der 62-Jährige: „Warum soll man nicht mal was Verrücktes machen. Ich hab mich natürlich gefragt: Schaff‘ ich das? Traue ich's mir zu? Will ich nicht lieber beim Italiener sitzen und die Münchner Zeitungen lesen?“

In Tunesien scheint er eine ernsthafte Aufgabe für sich zu sehen. Schließlich sei es eines der wenigen Länder im arabischen Raum, „wo die Demokratie nach unseren Vorstellungen eine gewisse Chance hat“. Franz Maget gibt sich zuversichtlich: „Das Land hat funktionierende Gewerkschaften, einen Arbeitgeberverband, Menschenrechtsorganisationen – das wollen wir unterstützen, so weit man das von außen kann.“ Dass er nun offenbar mit Diplomatenstatus tunesische Gewerkschaftsstrukturen auf- und ausbauen darf, kommt ihm sehr gelegen. Schließlich arbeitete Maget vor seinem Eintritt in die Berufspolitik viele Jahre hauptamtlich für den bayerischen DGB und fungierte u. a. als Bildungsreferent in der Münchner Zentrale.

Letzte Änderung am Sonntag, 13 Dezember 2015 18:29
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