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Schmiergeld-Vorwürfe gegen Franz Josef Strauß

FDP fordert Umbenennung des Franz-Josef-Strauß-Flughafens

Montag, 24 August 2015 14:41
Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center Quelle: de.wikipedia.org | Thomas Kniess | CC BY-SA 3.0

München - In seiner aktuellen Ausgabe erhebt der „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU). Nach Angaben des Nachrichtenmagazins sollen bisher unbekannte Unterlagen der Wirtschaftsberatungsfirma „Eureco“ belegen, dass der 1988 verstorbene ehemalige Bundesminister mehrere Jahre lang mittels einer Briefkastenfirma hohe Geldbeträge von verschiedenen Unternehmen erhalten hat.

Die bayerische FDP sieht angesichts der Vorwürfe gegen die konservative CSU-Ikone die Chance auf etwas Medienpräsenz und verlangt prompt die Umbenennung des Münchner Flughafens „Franz Josef Strauß“. Nach Auffassung des bayerischen FDP-Vorsitzenden Albert Duin tauge der frühere Landesvater nach den jüngsten Korruptionsvorwürfen nicht mehr als Namensgeber für den zweitgrößten deutschen Flughafen. „Seine Verfehlungen und Vergehen sind mindestens so zahlreich wie seine Verdienste“, erklärt Duin und legt nach: „Unser Flughafen soll nicht den Namen eines machtarroganten Gauners tragen.“ Als neue Namensgeberin für den Flughafen favorisiert der FDP-Politiker eine bayerische Frauenrechtlerin: „Ich schlage vor, ihn in ,Luise-Kiesselbach-Flughafen‘ umzubenennen. Im Gegensatz zu Strauß war Kiesselbach ein Vorbild und eine integere Persönlichkeit.“

Bei Recherchen für seine Strauß-Biografie ist der Politikwissenschaftler Peter Siebenmorgen auf die besagten Akten der Wirtschaftsberatungsfirma „Eureco“ gestoßen. Das „Eureco Büro für Wirtschaftsforschung“ war 1964 von den Eheleuten Strauß sowie Rechtsanwalt Reinhold Kreile gegründet worden. Über dieses Wirtschaftsforschungsbüro sollen nach „Spiegel“-Informationen Firmen wie BMW, Bertelsmann und Daimler Geld an Franz Josef Strauß überwiesen haben. In den Jahren von 1964 bis 1968 hat sich laut „Spiegel“ so ein Gesamtbetrag von 490.892 D-Mark ergeben; die Gelder sollen bis in die 1980er Jahre geflossen sein. Gegenleistungen haben die Firmen angeblich nicht erhalten. Die Verträge sollen bloß vage volks- und betriebswirtschaftliche Beratungen als Grund für die Zahlungen nennen. Rechtsanwalt Kreile lehnt mit Verweis auf seine anwaltliche Schweigepflicht bisher eine Stellungnahme ab. Er betont aber, dass die „an ‚Eureco‘ geleisteten Beratungshonorare ohne jegliche Beanstandung seitens der Finanzämter blieben“.

Der frühere Strauß-Vertraute Peter Gauweiler (CSU) weist die Vorwürfe gegen den Ex-Ministerpräsidenten zurück. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er: „Strauß hat nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung Industrieunternehmen beraten. Die haben gut daran getan, seinen Rat zu holen. Solche Beratungen haben viele Mitglieder früherer und späterer Regierungen getan.“

Die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, unterstützt hingegen die FDP-Forderung: „Sollte sich der Verdacht der Korruption gegen Strauß bestätigen, gehört die Überprüfung als Namenspatron des Münchner Flughafens auf die Tagesordnung.“

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