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Unterschiedliche Positionen zur Asyl-Obergrenze scheinen keine Rolle mehr zu spielen

Führende CSU-Politiker für Angela Merkel als Unions-Kanzlerkandidatin

Montag, 24 Oktober 2016 20:35
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU © Foto: CDU / Dominik Butzmann

München - Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wohl zum ersten Mal seit 2005 nicht zum CSU-Parteitag eingeladen wird. Das CSU-Strategieteam bezweifelt, dass ein Besuch der CDU-Vorsitzenden angesichts der Auseinandersetzungen über eine Obergrenze für Asylbewerber sinnvoll ist.

„Es kommt nicht darauf an, dass die Parteivorsitzenden von CDU und CSU ein Grußwort auf dem Parteitag der Schwesterparteien halten, sondern darauf, dass sich CDU und CSU in der Sache ehrlich und offen austauschen und Meinungsunterschiede – zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik – nicht verhehlen“, begründete das CSU-Vorstandsmitglied Stephan Mayer seine Ablehnung einer Merkel-Einladung.

Trotz dieses medienwirksamen Abgrenzungsmanövers wollen führende CSU-Politiker ausdrücklich mit Angela Merkel als Unions-Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Zuerst sprach sich am Wochenende der Europaabgeordnete und stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber für die Amtsinhaberin aus.

Danach folgte – wenig überraschend – die Chefin der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt: „Wenn Angela Merkel bereit ist, erneut als Bundeskanzlerin zu kandidieren, hat sie meine volle Unterstützung.“ Man sei dabei, die wenigen verbliebenen Differenzen mit der CDU auszuräumen und müsse die Kräfte dann auf den politischen Gegner konzentrieren. „CDU und CSU sind nur gemeinsam erfolgreich in Deutschland.“

Dieser Ansicht pflichtete auch der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber bei. „Frau Merkel sollte Kanzlerkandidatin werden. Denn sie ist weltweit anerkannt, die beste Anführerin des Mitte-Lagers in Deutschland und damit die Einzige, die einen Erfolg bei der Bundestagswahl garantieren kann.“ Die Christsozialen sollten sich auch im eigenen Interesse hinter die Kanzlerin stellen.

Ob sich dieser Kurs für die CSU allerdings an der Wahlurne auszahlt, erscheint fraglich. Horst Seehofers Partei könnte die Merkel-Unterstützung angesichts des einjährigen Dauerstreits um eine Asyl-Obergrenze, die die CDU-Chefin weiterhin beharrlich ablehnt, viel politische Glaubwürdigkeit kosten. 
Seehofer kündigte derweil den perspektivischen Rückzug vom Amt des CSU-Vorsitzenden an: „Ich wäre bereit, mein Amt als Parteivorsitzender nächstes Jahr zur Verfügung zu stellen. Wenn es nötig wäre auch noch früher. Nicht weil ich des Amtes müde wäre, sondern weil ich will, dass wir stark aufgestellt sind.“

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