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Furcht vor Stimmungsmache im Bundestagswahlkampf durch Social Bots

Eva Gottstein (Freie Wähler) will Kennzeichnung von Social-Bots-Beiträgen in sozialen Medien

Mittwoch, 07 Dezember 2016 18:04
Eva Gottstein (Freie Wähler) will Kennzeichnung von Social-Bots-Beiträgen in sozialen Medien Bildquelle: PIXABAY.COM

München - Seit dem US-Wahlkampf sind sie in aller Munde: die sogenannten Social Bots. Dabei handelt es sich um Meinungsroboter, die in den sozialen Netzwerken ohne großen Aufwand politische Stimmungen und Sympathien verstärken. Die intelligentesten von ihnen können nicht bloß vorformulierte Nachrichten versenden, sondern auch eigenständig chatten. Diese Computerprogramme beeinflussen weitgehend selbständig Internet-Suchmaschinen, folgen Links, sammeln E-Mail-Adressen und wirken in den sozialen Medien als automatisierte Meinungsverstärker.

Computerfachleute warnen davor, dass bald niemand mehr sagen könne, ob bestimmte Postings bei Facebook von realen Menschen oder von Meinungsrobotern stammen.

Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten müssen Facebook und Twitter im Allgemeinen und Social Bots im Besonderen als Erklärung für den von vielen nicht erwarteten Wahlsieg des Republikaners herhalten. Dabei setzten die Wahlkampf-Profis von Hillary Clinton ebenfalls auf den Einsatz manipulativer Social Bots.

Unter dem Eindruck des US-Wahlkampfes und der Befürchtung, sie könnten auch im Bundestagswahlkampf eingesetzt werden, fordert die Fraktion der Freien Wähler (FW) im Bayerischen Landtag eine weitgehende Ächtung oder zumindest Kennzeichnungspflicht für computergenerierte Meinungsbeiträge in sozialen Medien.

Die FW-Abgeordnete Eva Gottstein sagt: „Es ist gut nachvollziehbar, dass sich Menschen mit dem auseinandersetzen, was andere denken. Massenhaft automatisch generierte Beiträge und Kommentare in sozialen Netzwerken verändern jedoch das, was viele als ‚die öffentliche Meinung‘ wahrnehmen. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden.“

Die Freien Wähler würden deshalb politische Initiativen im Landtag unterstützen, mittels derer geprüft werden soll, ob es eine Kennzeichnungspflicht einschlägiger Massen-Postings geben kann, so die stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses des Landtages.„Das wäre durchaus sinnvoll. Denn genauso wie Werbeanzeigen und Sponsorings in Zeitung, Hörfunk und Fernsehen klar gekennzeichnet werden, müssen auch Nachrichten von Social Bots markiert werden“, erklärt Gottstein. „Nur so ist gewährleistet, dass die Menschen zwischen echten und gekauften Meinungen unterscheiden können.“

Die Politikerin will sich im Innenausschuss dafür einsetzen, dass der von der Staatsregierung geforderte Bericht zu Kennzeichnungsmöglichkeiten von Social-Bots-Beiträgen möglichst noch im Winterhalbjahr vorgelegt wird.

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