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Schluss mit der Sommerzeit

Europäischer Widerstand gegen Zeitumstellung

Mittwoch, 25 März 2015 18:31
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Brüssel - Im Europäischen Parlament in Brüssel melden sich immer mehr Gegner der Zeitumstellung zu Wort. Abgeordnete aus Deutschland, Österreich, Tschechien und Schweden fordern die Abschaffung der Sommerzeit.

„Wir werden jetzt die Sommerzeit zu einem politischen Thema in Brüssel machen und für die Abschaffung der Zeitumstellung kämpfen“, erklärte Herbert Reul, Vorsitzender der deutschen Unionsabgeordneten im EU-Parlament. „Wir müssen alle parlamentarischen Mittel nutzen, um den Druck auf die EU-Kommission zu erhöhen.“ Unterstützt werden die Deutschen von Abgeordneten aus Österreich, Tschechien und Schweden.

Innerhalb Deutschlands ist es vor allem die CSU, die bereits seit Jahren eine Abschaffung der Sommerzeit fordert. „Ich bin dagegen, der Bevölkerung halbjährlich eine sinnlose Umstellerei zuzumuten und fordere von der EU-Kommission jetzt konstruktive Vorschläge zur Abschaffung der Zeitumstellung“, sagte die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU). Zwar sei rein rechtlich eigentlich der Bundestag für das Anliegen zuständig, ein „nationaler Alleingang“ sei jedoch „nicht machbar und auch nicht sinnvoll“.

In einer gemeinsamen Anhörung des Rechts-, Industrie- und Verkehrsausschusses wurden am Dienstag bereits die Auswirkungen der Zeitumstellung auf Wirtschaft, Verkehr und Gesundheit diskutiert. „In einem Gespräch hat uns EU-Binnenmarkt-Kommissarin Elzbieta Bienkowska bereits ihre volle Unterstützung zugesagt“, erklärte die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler. Nun müsse man die Vorschläge der Kommission abwarten, so Aigner. „Jetzt bin ich selber gespannt, wie auf der europäischen Ebene mit den Anliegen umgegangen wird.“

In der Vergangenheit hatte die EU-Kommission das Festhalten an der Sommerzeit mit dem Funktionieren des Binnenmarktes begründet. Dieser sei jedoch gar nicht gefährdet, meint Reul. „Eine Harmonisierung gäbe es doch auch, wenn die Sommerzeit in allen EU-Ländern abgeschafft wird.“ Er kritisierte zudem, dass es keine einzige seriöse Studie gibt, die positive Effekte der Zeitumstellung belege. „Die Zeitumstellung ärgert Mensch und Tier, sie verursacht Unfälle und unnötige wirtschaftliche Kosten.“ 

Auch drei Viertel der Deutschen würden, einer Umfrage der DAK zufolge, das Uhrenumstellen im März und Oktober gerne aufgeben. Sie beklagen vor allem die damit einhergehende Müdigkeit und Schlafprobleme. Bereits im letzten Jahr veröffentlichte die Krankenkasse eine Langzeitstudie, die einen Anstieg von Patienten mit Herzproblemen um 25 Prozent in den ersten drei Tagen nach der Umstellung aufzeigte.

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