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Nachwirkungen der Modellauto-Affäre

Ermittlungsverfahren, Gehaltskürzung und Dienst-Suspendierung für Hubert Haderthauer

Dienstag, 24 November 2015 23:44
Christine Haderthauer	Christine Haderthauer Quelle: www.csu-landtag.de | Pressefoto

München/Ingolstadt - Anfang November teilte die Staatsanwaltschaft München II mit, dass das Ermittlungsverfahren gegen die frühere bayerische Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer (CSU) wegen der sogenannten Modellauto-Affäre eingestellt worden ist. Dem Anwalt Haderthauers zufolge sei der Vorwurf der Steuerhinterziehung und der Verdacht, seine Mandantin habe einen Geschäftspartner betrogen, ausgeräumt. Die Staatsanwaltschaft will nun lediglich einen Strafbefehl wegen des wahrscheinlichen Verstoßes gegen die steuerrechtliche Abgabenordnung beantragen. Christine Haderthauer bleibt damit ein Strafprozess erspart.

Ernsthaftere Konsequenzen hat die Modellauto-Affäre hingegen für den Mann der CSU-Politikerin, den Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer. Er wurde nun vom Dienst suspendiert, bekommt die Bezüge gekürzt und sieht sich mit einem Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung und Betruges konfrontiert. Die Landesanwaltschaft Bayern hat ihn „mit sofortiger Wirkung vorläufig des Dienstes enthoben“ und verfügt, dass ein Teil seiner monatlichen Dienstbezüge einbehalten wird. Vorausgegangen war eine Anordnung der Regierung von Oberbayern, die dem Landgerichtsarzt die weitere Ausübung seiner Dienstgeschäfte untersagt. Ob weitere disziplinarische Schritte gegen Hubert Haderthauer folgen werden, will die Landesanwaltschaft von den Ermittlungen und dem Ausgang eines möglichen Gerichtsverfahrens wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Betruges abhängig machen.

Im härtesten Fall droht dem Ehemann der früheren Staatskanzleichefin die dauerhafte Entfernung aus dem privilegierten Beamtenverhältnis, wenn durch sein Verhalten nach Auffassung der Landesanwaltschaft das Ansehen des Beamtentums schwer beschädigt wurde.

Die Modellauto-Affäre wurde 2013 öffentlich. Dabei ging es um das Unternehmen „Sapor Modelltechnik“, dessen Miteigentümer die Eheleute Haderthauer bis ins Jahr 2008 waren, und das Oldtimer-Modelle preiswert von psychisch kranken Straftätern während ihrer Therapie im Bezirkskrankenhaus Ansbach produzieren ließ. Begonnen wurde mit der Herstellung der Autos ausgerechnet, als der Psychiater Hubert Haderthauer in diesem Krankenhaus arbeitete. Für Empörung sorgte besonders die Tatsache, dass der wichtigste Autokonstrukteur von „Sapor Modelltechnik“ ein verurteilter Dreifachmörder war.

Überdies fühlte sich ein früherer Geschäftspartner der Haderthauers von beiden um die Einnahmen des Unternehmens betrogen. Er hat beim Landgericht Ingolstadt eine Zivilklage einreichen lassen und fordert von dem Ehepaar für seine Tätigkeit bei „Sapor Modelltechnik“ 305.000 Euro, die ihm durch „arglistige Täuschung“ vorenthalten worden sein sollen.

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