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Forderung nach Wahrung des Sonntagsschutzes

Erklärung zum 1. Mai: DGB und Kirchen in Bayern gegen „Ökonomisierung aller Lebensbereiche“

Freitag, 29 April 2016 17:07
Erklärung zum 1. Mai: DGB und Kirchen in Bayern gegen „Ökonomisierung aller Lebensbereiche“ Quelle: DGB Bayern

München - Weil der diesjährige 1. Mai auf einen Sonntag fällt, haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sowie die evangelische und katholische Kirche in Bayern eine gemeinsame Erklärung zum Tag der Arbeit veröffentlicht. Darin kritisieren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, und Bayerns DGB-Chef Matthias Jena die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, die den Arbeitnehmern ihr Recht auf Erholung im Kreise der Familie nehme.

Die Drei schreiben: „Immer mehr Beschäftigte müssen auch in Bayern an Sonn- oder Feiertagen arbeiten. Damit verlieren jedoch die Sonn- und Feiertage ihren durch unser Grundgesetz und die Bayerische Verfassung geschützten Charakter als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung. Den betroffenen Erwerbstätigen und ihren Familien geht auch damit Stück für Stück ihr Recht auf gemeinsame freie Zeit und Erholung verloren.“

Daneben führe die Digitalisierung der Arbeitswelt und die damit einhergehende ständige Erreichbarkeit von Unternehmen und Beschäftigten zu einer Aufhebung der natürlichen Grenze zwischen Arbeits- und arbeitsfreier Zeit. Der Schutz arbeitsfreier Sonn- und Feiertage als Errungenschaft der sozialen Marktwirtschaft laufe Gefahr, auf dem Altar eines Rund-um-die-Uhr-Wettbewerbs geopfert zu werden.

„Die Gewerkschaften und die Kirchen in Bayern wenden sich energisch gegen eine vollständige Ökonomisierung aller Lebensbereiche und treten ein für die Würde des arbeitenden Menschen“, heißt es in der am 28. April verbreiteten Erklärung weiter.

Die Verfasser warnen vor der schleichenden „Aushöhlung des Sonntagsschutzes“ und betonen: „Der Sonntag muss als Ganzes geschützt werden, damit Zeit für Ruhe und seelische Erbauung, Familie und soziale Kontakte, Gottesdienste und Ehrenamt bleibt.

Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen und die zuständigen Aufsichtsbehörden, dem bisherigen Trend entgegenzuwirken und Ausnahmen vom Sonntagsschutz nur in begründeten Einzelfällen zu gestatten.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Kirchen im Freistaat rufen die Arbeitgeber auf, im Interesse ihrer Beschäftigten und eines langfristigen Unternehmenserfolges „nur in absoluten Ausnahmefällen die Arbeitszeit auf die geschützten Sonn- und Feiertage auszudehnen“.

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