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Wir beherrschen die Natur nicht

Die Wahrheit über Corona – ein Kommentar von Johannes Kraus von Sande

Sonntag, 02 Mai 2021 19:28
Die Wahrheit über Corona – ein Kommentar von Johannes Kraus von Sande Quelle: Johannes Kraus von Sande

Der Ursprung der Corona-Pandemie ist bislang ungeklärt – so lautet bislang die gängige Meinung in unserer Gesellschaft zur Wurzel des gegenwärtigen Übels. Bei genauer Betrachtung ist diese Sichtweise jedoch oberflächlich, was bislang jedoch nur selten und mit recht leiser Stimme den Weg in die gesellschaftliche Debatte gefunden hat.

Zwei Varianten zur Entstehung und Ausbreitung des Virus werden derzeit diskutiert, die bei genauer Betrachtung mehr gemeinsam haben, als vielen voreingenommenen, betriebsblinden und teils ideologieverhafteten Betrachtern lieb sein mag. Entweder das Virus ist entgegen der beabsichtigten Zielsetzungen oder sogar absichtlich aus einem Labor getragen worden. Oder es hat sich über einen Zwischenwirt von Fledermäusen auf den Menschen übertragen, nachdem der Lebensraum der Fledermäuse vom Menschen eingeengt worden war und man dadurch den Tieren einfach zu nahe auf den Pelz rückte.

In allen beschriebenen Varianten hat der Mensch in einer Weise in natürliche Gegebenheiten und Abläufe eingegriffen, die ihnnun mit den Folgen seines Handelns konfrontiert hat. Letztere Variante ist nach derzeitigen Erkenntnissen die wahrscheinlichere. Wahrscheinlich schon deshalb, da es sich mit dem ursprünglich in Malaysia und Indien verbreitetem, sehr tödlichen Nipah-Virus nicht recht viel anders verhält, das sich von der Fledermaus über Nutztiere auf den Menschen übertragen hat. Erste Ausbrüche sind seit dem Ender der 1990er Jahre bekannt. Ähnlichkeiten bestehen auch mit dem australischen Hendra-Virus, das ebenfalls in den 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt wurde.

Die Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen. In der Biologie ist die Auffassunginzwischen weit verbreitet, dass sich Zoonosen, das heißt Krankheitserreger, die sich vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen können, seit Beginn der Industrialisierung sehr konstant und erheblich vermehrt haben. Landverbrauch sowie Einengung und Zerstörung der Lebensräume unserer tierischen Mitbewohner dieser Erde führen also zur vermehrten Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten, die sich in Zeiten von Bevölkerungsexplosion, Überbevölkerung und dadurch bedingt vielfach dicht gedrängten Wohnverhältnissen rasant ausbreiten können. Einen guten und überzeugenden Überblick über den Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung, Artensterben und Pandemien liefert das Buch „Die Triple-Krise“ von Josef Settele.

Unser Problem ist demnach hausgemacht und die aktuelle Pandemie wird nicht die letzte sein. Und sicherlich handelt es sich bei dem Auftreten von Pandemien auch nicht um die erste oder letzte gravierende Folge des unqualifizierten Eingreifens des Menschen in seinen natürlichen Lebensraum. Weitere erdrückende und existenzbedrohende Auswirkungen werden sich bereits in naher Zukunft zeigen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Mensch als „Mängelwesen“, wie wir es der Lehre und Kulturtheorie des deutschen Philosophen Odo Marquard entnehmen können, seine Defizite und bereits angerichteten Schäden im Rahmen der Kulturentwicklung endlos ausgleichen und negative Begleiterscheinungen immer wieder erfolgreich kompensieren könnte. Irgendwann stößt auch seine „Inkompetenzkompensationskompetenz“ an ihre natürlichen Grenzen und die menschliche Entwicklung gerät in ein fatales und letales Fahrwasser. Dem gegenüber stehen noch immer naive Fortschritts- und Technikgläubigkeit der Mehrheit unserer Gesellschaft und auch Politiker.  Der Mensch hat seine Lektion aus Goethes „Zauberlehrling“ oder auch Theodor Fontanes „Brücke am Tay“ nicht gelernt. Die Lektüre von Goethes „Faust“ ist in manchen Bundesländern nicht einmal mehr erforderlich, um die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Vermeintlicher Fortschritt und Technikgläubigkeit führen früher oder später in eine evolutorische Sackgasse. Doch damit nicht genug. Während der Mensch unserer Zeit der Illusion anheimfällt, Wissen und Erkenntnisse ständig zu erweitern, verengt er in Wirklichkeit seine Sichtweise der Welt und Realität zunehmend auf quantitative, symbolverhaftete, fragmentierte sowie zeit- und raumverhaftete Sichtweisen. Eine Tatsache, die schon seit mindestens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinreichend bekannt sein müsste, seit es der französische Philosoph und Psychologe Henri Bergson in seinem Werk „Zeit und Freiheit“ knapp und treffend auf den Punkt brachte. Die deutsch-französische Philosophie und psychologische Anthropologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt uns zudem deutlich auf, dass wir durch das Ausklammern der Subjektivität und Emotionalität aus vermeintlich „fortschrittlichen“ objektivierenden und abstrahierenden Erkenntnisprozessen das eigentliche Leben selbst zusehends aus unserer Wahrnehmung und Kultur ausklammern. Diesen Prozess führt uns beispielsweise das Werk „Die Barbarei“ des französischen Philosophen Michel Henry klar vor Augen. Die Grenzen von Sprache und Zahlen müssten uns spätestens durch Ludwig Wittgenstein oder auch Jacques Derrida geläufig sein. Während wir das Raster der „Erkenntnis“ in letztlich willkürlich und für modern und fortschrittlich erachteten Themenfeldern enger ziehen, verschwimmt unser Gesamtbild der Realität und unser Gefühl dafür zunehmend.

Wir beherrschen die Natur nicht und der mit zunehmender Technisierung sogar wachsende, diesbezügliche Irrglaube zeitigt zunehmend tödliche Gefahren. Fortschritt verwechseln wir meist mit Bequemlichkeit, Lebensqualität definieren wir vielfach als das Vorhandensein zweifelhafter und in vielen Fällen naturwidriger Handlungsoptionen. Was dagegen unzweifelhaft voranschreitet, sind dagegen die Möglichkeiten, die Menschheit effektiv und nachhaltig zu vernichten.

Die aktuelle Digitalisierung wird uns vielfach naiv und unkritisch als Fortschritt vermittelt. Auch sie führt jedoch in Wirklichkeit lediglich zu einer weiteren Einengung der Sichtweise der Realität und raubt uns insbesondere und zunehmend unsere Freiheit. Die Entfremdung von dennatürlichen Lebensgrundlagen und der uns evolutorisch und biologisch zugedachten Form der Wahrnehmung,Realitätsfindung und Erkenntnisgewinnung war noch nie so groß wie heute.

Politiker wollen uns aus vielfach eigennützigen Motiven heraus die Illusion vermitteln, dass sie unter Einbeziehung primär der Naturwissenschaften vergleichbare Probleme wie die aktuelle Pandemie beherrschen könnten. Hierfür sei angeblich unsere Kultur, Gesellschaftsform und das geltende politische System ideal geeignet. Realistisch gesehen ist es jedoch sehr zweifelhaft, ob die aktuellen und angeblich modernen Formen der Pandemiebekämpfung der Menschheit insgesamt einen Vorteil bringen oder nicht vielmehr in Abhängigkeiten und zunehmend unbeherrschbare Teufelskreise führen. Das eigene Handeln zieht ein Politiker kaum selbst öffentlich in Zweifel. Wären unsere Volksvertreter ehrlich, müssten sie aber zugeben, dass sie die Situation nicht beherrschen. Vielmehr versuchen sie dagegen auf der Basis eines zur Schau getragenen Aktionismus lediglich den Eindruck zu erwecken. Man möchte ja wiedergewählt werden. Die massiven und auch durchaus widernatürlichen Einschränkungen der persönlichen Freiheiten werden von den Menschen deutlich wahrgenommen. Dass die aktuelle Politik hingegen Gefahren und Risiken der Pandemie lediglich umverteilt, teilweise auch global, bemerken hingegen nur vergleichsweise wenige kritische Köpfe. Ob diese Umverteilung „gerecht“ ist, ist nur in sehr geringem Maße Gegenstand der politischen und gesellschaftlichen Debatte und insgesamt fragwürdig.

Unsere Handlungsoptionen, Freiheiten und letztlich auch unsere Realitätswahrnehmung werden sich auf der Basis einerKulturform der „Barbarei“ bereits in den nächsten Jahrzehnten weiter drastisch reduzieren. Unser Leben verkommt zusehends zu einem eher fremdbestimmten Dahinvegetieren und zu einer bloßen Fixierung auf die „Schatten“, wie es Platon in seinem Höhlengleichnis anschaulich formuliert hat. Die drastische Einengung von Handlungsoptionen gefährdet letztlich auch unser politisches System, die Demokratie. Zutreffend hat das Bundesverfassungsgericht in diesen Tagen entschieden, dass unsere aktuelle Klimapolitik die Erfordernisse des Generationenvertrages nicht erfüllt und daher verfassungswidrig ist. Diese Erkenntnis müsste jedoch auch auf andere Bereiche der Politik ausgeweitet werden. Neben der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und des rasanten Ressourcenverbrauchs müsste insbesondere auch die einengende und freiheitsreduzierende Wirkung der aktuell dominierenden Wissenschaft und Technik bedacht und berücksichtigt werden. Existenzielle Erkenntnisse der Geisteswissenschaften müssen in unserer Gesellschaft wieder ausreichenden Einfluss gewinnen.

Die im Rahmen der aktuellen Pandemie erfolgten Einschränkungen unserer Freiheitsrechte werden nicht die letzten sein. Dagegen helfen letztlich auch keinerlei Proteste. Der Protest muss sich vielmehr gegen unsere Kulturform selbst, nämlich die „Barbarei“ richten. Der Mensch muss sich jedoch nicht nur die natürlichen, sondern auch die geistigen und letztlich auch spirituellen Lebensgrundlagen erhalten. Die Büchse der Pandora muss geschlossen werden. Lebensqualität muss neu und insoweit sogar konservativ definiert werden, wenn wir uns an der Lebensspanne der ursprünglich noch analogen Generation orientieren wollen. In diesem Sinne istein im richtigen Sinne sogar konservativer „Great Reset“ die einzig zielführende Überlebensstrategie. Neben dem Kapitalismus bedarf auch unsere gesamte Realitätswahrnehmung einer umfangreichen Nachjustierung.

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