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Vor zehn Jahren beschloss das schwarz-rote Bundeskabinett die Rente mit 67

DGB Bayern zur Rente mit 67: „Höheres Renteneintrittsalter geht an Lebenswirklichkeit vorbei“

Mittwoch, 30 November 2016 03:14

München - Am 29. November jährt sich der Beschluss des Bundeskabinetts zur Einführung der Rente mit 67 zum zehnten Mal. Im März 2007 votierten dann in namentlicher Abstimmung von 581 anwesenden Bundestagsabgeordneten 408 für das Gesetz von CDU, CSU und SPD, 169 Parlamentarier stimmten dagegen und vier enthielten sich. Der Beschluss sieht vor, dass die Regelaltersgrenze, bei deren Erreichen abschlagsfrei in Rente gegangen werden kann, schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Bayern, Verena Di Pasquale, hat eine kritische Bilanz des vor zehn Jahren beschlossenen Renteneintritts mit 67 Jahren gezogen: „Das Heraufsetzen des Renteneintrittsalters geht an der Lebenswirklichkeit der Menschen in Bayern vorbei. Viele Menschen schaffen es einfach nicht, gesund und in Arbeit dieses Alter zu erreichen.“

Nach DGB-Angaben gehen die Bayern derzeit im Durchschnitt mit 64,3 Jahren in Altersrente. Dieser Wert ist noch deutlich vom gesetzlich vorgesehenen Renteneintrittsalter von aktuell 65 Jahren und fünf Monaten entfernt. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, gehen im Schnitt sogar schon mit 51,6 Jahren in die Erwerbsminderungsrente.

Die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer sind umso geringer, je näher sie der Regelaltersgrenze kommen: Im Jahr 2015 gingen in Bayern nur 51,3 Prozent der 60-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Im Alter von 63 Jahren waren es bloß 21,6 Prozent, und der Anteil der 65-Jährigen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung beträgt sogar nur noch 6,7 Prozent. Bei einer Berücksichtigung der Vollzeitstellen fallen die Werte noch niedriger aus.

„Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass die Rente mit 67 für viele einer Rentenkürzung gleichkommt. Die große Mehrheit der Beschäftigten scheidet bereits vorher aus dem Erwerbsleben aus. Dies ist häufig mit erheblichen Abschlägen bei der Rente verbunden“, beklagte Di Pasquale.

Die Stigmatisierung rentennaher Jahrgänge am Arbeitsmarkt zeige sich auch darin, dass der Wiedereinstieg in Arbeit für sie deutlich schwieriger sei. Viele Ältere fänden aus der Arbeitslosigkeit nicht mehr zurück. Die stellvertretende bayerische DGB-Chefin warnte: „Ihnen droht dann die Zwangsverrentung mit 58 Jahren samt lebenslanger Abschläge. Hier brauchen wir dringende Reformen und ein Umdenken der Arbeitgeber. Forderungen nach einer weiteren Erhöhung des Renteneinstiegsalters gehen vollkommen an der Realität vorbei.“

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