bayern-depesche.de

Freigegeben in Politik

Überzieht Markus Söder im Kampf um die Kanzlerkandidatur?

Dennis Radtke droht mit Gründung eines CDU-Landesverbandes in Bayern

Mittwoch, 21 April 2021 15:32
Dennis Radtke wirbt für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten Dennis Radtke wirbt für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten Quelle: Dennis Radtke

Straßburg - Der Europa-Abgeordnete Dennis Radtke (Jahrgang 1979), der zum Laschet-Lager zählt, droht im aktuellen Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder um die Kanzlerkandidatur der Union nach Berichten des SPIEGEL und des ZDF nun mit der Gründung eines CDU-Landesverbandes in Bayern. Radtke ist Mitglied im Landesvorstand der CDU in Nordrhein-Westfalen und stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeitnehmervereinigung CDA.

Wie Radtke ausführt, sehe er im Vorgehen Markus Söders Parallelen zur Wahlkampftaktik von Sebastian Kurz in Österreich, der die ÖVP-Liste kurzerhand zur Kurz-Liste umfunktioniert hatte. „Wer mit dem Modell Türkis von Sebastian Kurz liebäugelt, der gefährdet das, was uns über 70 Jahre stark und erfolgreich gemacht hatte“, erläuterte Radtke. Wie Radtke jedoch betont, habe er seine Initiative nicht mit Armin Laschet abgesprochen.

Derzeit wächst der Druck auf die Kandidaten Laschet und Söder fast stündlich, um weiteren Ansehensverlust für die Union durch den offenen Machtkampf abzuwenden. Während Markus Söder heute angab, eine Entscheidung aus der „Breite“ der CDU akzeptieren zu wollen, fordert das Vorstandsmitglied Christian Baldauf aus Rheinland-Pfalz konkret eine Einbeziehung der Kreisvorsitzenden in die Entscheidung. In Rheinhessen-Pfalz ergebe sich ein klares Meinungsbild für Markus Söder. In der CDU-Spitze jedoch wünscht man sich den Entscheidungsprozess dagegen völlig anders. Hier geht man eher davon aus, dass die Präferenz von Präsidium und Bundesvorstand für Armin Laschet das Rennen entscheiden könnte und müsste. Wann die Entscheidung fallen wird, ist derzeit allerdings unbekannt. Gestern lief eine von den beiden Kontrahenten selbst gesetzte Frist zur Entscheidung ergebnislos ab.

Der Wunsch nach einer Ausdehnung der CDU auch nach Bayern scheint seit langem vorhanden und durch das aktuelle Agieren eines Ministerpräsidenten Markus Söder nicht eben kleiner geworden zu sein. Ein Nürnberger Juristenpaar wollte vor einigen Jahren gar per Verfassungsbeschwerde erzwingen, die CDU auch in Bayern wählen zu dürfen. Die aktuellen Korruptionsvorwürfe gegen verschiedene, teils prominente Mitglieder der CSU scheinen ebenfalls einen entsprechenden Effekt zu zeitigen, da nicht wenige seit Jahrzehnten in Bayern lebende Bürger mit entsprechendem Erfahrungshintergrund davon ausgehen, dass „Parteifilz“ und Korruption in der CSU noch erheblich weiter verbreitet sind, als in der Schwesterpartei CDU. Autokratische Anflüge eines Markus Söder, seine von vielen als autoritär empfundene Parteiführung sowie die von etlichen Wählern als sonderbar empfundene Mischung von linksgrünem Gedankengut, konservativen Relikten und teils absurden Zukunftsphantasienlässt selbst in einer Merkel-geprägten CDU-Politik teils mehr Konstanz und Vernunft erkennen, als es bei einem politischen Schlingerkurs a la Markus Söder aus offensichtlich primär opportunistischen Gründen in den letzten Jahren je der Fall war. Zudem werden vielfach in der CDU aktuell auch noch mehr liberalkonservative Kräfte verortet, die berechtigtenAnlass zur Hoffnung auf eine Reform der Unionspolitik gebenkönnen. Einer der Hoffnungsträger ist derzeit der Bundestagskandidat und ehemalige Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz.

Artikel bewerten
(13 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten