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Frühere Staatskanzleiministerin kann Modellauto-Affäre hinter sich lassen

CSU-Politikerin Christine Haderthauer kommt mit Strafbefehl davon

Dienstag, 03 November 2015 21:35
Christine Haderthauer Christine Haderthauer Quelle: de.wikipedia.org | Fotografin Christine Olma, Olma Fotodesign, Einding | CC BY-SA 3.0 de

München - Wie am Montag bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft München II ihr Ermittlungsverfahren gegen die frühere bayerische Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer (CSU) eingestellt. Damit bleibt der Politikerin ein Strafprozess wegen der sogenannten Modellauto-Affäre erspart. Haderthauers Anwalt Walter Rubach teilte mit, dass der Verdacht der Steuerhinterziehung ausgeräumt sei und sich auch der Verdacht, seine Mandantin habe einen Geschäftspartner betrogen, nicht erhärtet habe.

Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich wird nach eigener Aussage aber einen Strafbefehl wegen eines wahrscheinlichen Verstoßes gegen die Abgabenordnung beantragen. Einen „angemessenen Strafbefehl“ will die ehemalige Staatskanzleichefin laut ihrem Anwalt auch akzeptieren, weil durch ihr Handeln möglicherweise gegen die steuerrechtliche Abgabenordnung verstoßen wurde und für die Jahre 2007/2008 ein Schaden von 2.300 Euro entstanden sein könnte. Abgeschlossen wurden laut Oberstaatsanwalt Heidenreich auch die Ermittlungen gegen den Ehemann der CSU-Politikerin, den Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer. Bis über eine Anklageerhebung gegen ihn entschieden sei, müsse sich die Öffentlichkeit „noch ein paar Tage gedulden“.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2013 nach dem Hochkochen der Modellauto-Affäre ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei ging es um das Unternehmen „Sapor Modelltechnik“, dessen Miteigentümer die Eheleute Haderthauer bis ins Jahr 2008 waren. Ein „Geschmäckle“ hatte diese Unternehmertätigkeit, weil die angebotenen Oldtimer-Modelle preiswert von psychisch kranken Straftätern während ihrer Therapie im Bezirkskrankenhaus Ansbach gebaut und dann teuer verkauft wurden. Begonnen wurde mit der Produktion, als der Psychiater Haderthauer in diesem Krankenhaus arbeitete. Besonders empörend fand die Öffentlichkeit den Umstand, dass der wichtigste Autokonstrukteur ein verurteilter Dreifachmörder war.

Für zusätzlichen Wirbel sorgte ein früherer Geschäftspartner der Haderthauers, der sich von beiden hinsichtlich der Einnahmen des Unternehmens weiterhin „arglistig“ getäuscht sieht. Er hat beim Landgericht Ingolstadt eine Zivilklage einreichen lassen und fordert von dem Ehepaar für ihre Tätigkeit bei „Sapor Modelltechnik“ 305.000 Euro. Dieser Betrag soll ihm vorenthalten worden sein.

Die CSU begrüßte erwartungsgemäß die Einstellung des Verfahrens wegen des Steuerhinterziehungs- und Betrugsverdachts. Bedauern äußerten hingegen die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen. Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote (Grüne) sagte: „Es ist bedauerlich, dass diese Entscheidung für einen Strafbefehl die aus unserer Sicht notwendige, umfassende gerichtliche Aufarbeitung der Affäre um das Ehepaar Haderthauer verhindert.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 04 November 2015 05:41
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