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Landkreis Amberg-Sulzbach bekommt die vielen Asylanten nicht untergebracht

CSU-Landrat Richard Reisinger bittet Bürger um Wohnraum für Asylanten

Samstag, 05 Dezember 2015 16:47
Landkreis Amberg-Sulzbach bekommt die vielen Asylanten nicht untergebracht Landkreis Amberg-Sulzbach bekommt die vielen Asylanten nicht untergebracht Quelle: BAYERN DEPESCHE

Amberg - Die Kommunen und Landkreise in Bayern ächzen unter der Last des nicht abebbenden Asylantenzustroms. Immer mehr Mitarbeiter der Landratsämter sind nur noch damit beschäftigt, Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge zu organisieren. Forderungen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die hunderttausendfache illegale Zuwanderung nach Deutschland zu stoppen, die Asylverfahren zu beschleunigen und rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber konsequent in ihre Heimatländer zurückzuschicken, sind bislang verhallt. Immer mehr Landräte in Bayern müssen wegen der Überforderung mit der Flüchtlingsunterbringung einen politischen Offenbarungseid leisten.

Vor wenigen Wochen drohte der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) Angela Merkel offen damit, Busse mit Asylanten notfalls vor das Kanzleramt fahren zu lassen, damit der Problemdruck der Kommunen und Landkreise für sie greifbarer werde. In einem halbstündigen Telefonat mit der Regierungschefin sagte Peter Dreier nach Medienberichten: „Wenn Deutschland eine Million Flüchtlinge aufnimmt, entfallen rechnerisch auf meinen Landkreis 1.800. Die nehme ich auf, alle weiteren schicke ich per Bus weiter nach Berlin zum Kanzleramt.“

Nun wendet sich – nicht drohend, sondern bettelnd – der Landrat des Kreises Amberg-Sulzbach an die Öffentlichkeit, um irgendwie an Wohnraum für Asylanten zu kommen. Richard Reisinger (CSU) sagte dieser Tage: „Aufgrund der aktuellen Lage in der Welt müssen wir mit einem Anstieg an Asylbewerbern im Landkreis Amberg-Sulzbach rechnen. Das bedeutet, dass zeitgleich der Bedarf an Wohnraum steigt.“ Deshalb spricht der Landrat seine Bürger direkt an und fordert sie auf, leerstehende Wohnungen für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen und so dem Landkreis in der Flüchtlingskrise zu helfen.

Nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel ist der Landkreis Amberg-Sulzbach gesetzlich verpflichtet, 9,6 Prozent aller Asylbewerber in der Oberpfalz aufzunehmen. Das ist für den kleinen Landkreis mit knapp über 100.000 Einwohnern und 27 Gemeinden eine immense Herausforderung. Derzeit sind dort 659 Asylbewerber dezentral in Wohnungen untergebracht, 191 in der Notunterkunft in Sulzbach-Rosenberg und 87 in Gemeinschaftsunterkünften in Vilseck und Freihung. Außerdem werden 94 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durch das Jugendamt betreut. Wie die BAYERN DEPESCHE am 3. November berichtete, kostet nach Angaben des Präsidenten des bayerischen Landkreistages, des Deggendorfer Landrates Christian Bernreiter, jeder Heimplatz eines minderjährigen Asylanten jährlich 60.000 Euro. Schon im August schätzte der CSU-Politiker die Unterbringungs- und Betreuungskosten für die minderjährigen Asylanten in Bayern für das Jahr 2015 auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Kostenbelastung ist seitdem noch deutlich gestiegen.

Der für das Thema Asyl zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt Amberg-Sulzbach, Dr. Norbert Vogl, gab zu: „An sich wären Gemeinschaftsunterkünfte mit Platz für mehr als 50 Flüchtlinge die Regel.“ De facto sei die dezentrale Unterbringung in Wohnungen aber die Hauptoption. „Und dafür brauchen wir Platz“, so Vogl. Sozialamtsleiter Georg Jobst verweist ebenfalls auf die Regelunterbringung von Asylanten in extra hergerichteten Wohnungen: „Deshalb suchen wir händeringend neue Wohnungen und appellieren hier vor allem an die Gemeinden, die bei der Aufnahme von Flüchtlingen durchaus noch Nachholbedarf haben, uns dabei zu unterstützen.“

CSU-Landrat Richard Reisinger dankte schon jetzt herzlich allen potentiellen Vermietern anstatt wie andere Landräte bei der Landes- und Bundesregierung einen asylpolitischen Kurswechsel anzumahnen. Reisinger erklärte treuherzig: „Ich weiß, dass die Amberg-Sulzbacher dem Thema Asyl gegenüber offen sind. Jeden Tag sprechen mich auf Terminen Menschen an, die ihre Hilfe anbieten wollen. Das macht Mut. Aber neben der humanitären Unterstützung brauchen wir jetzt auch noch potenzielle Vermieter, die ihren Wohnraum für Asylbewerber zur Verfügung stellen.“

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