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Vor allem Roman Herzogs „Ruck-Rede“ ist in Erinnerung geblieben

CSU bezeichnet verstorbenen Ex-Bundespräsidenten als „sympathischen Vertreter Bayerns“

Donnerstag, 12 Januar 2017 13:25
Bundespräsident Herzog vor dem Rathaus Osnabrück (1998) Bundespräsident Herzog vor dem Rathaus Osnabrück (1998) Quelle: de.wikipedia.org | CC BY 2.0

München - Am 10. Januar ist der 1934 im niederbayerischen Landshut geborene frühere Landesminister, Bundesverfassungsrichter und Bundespräsident Roman Herzog verstorben. In Bayern gedachten die Parteien in besonderer Weise des Verstorbenen, der sich stets zu seiner landsmannschaftlichen Herkunft und Prägung bekannte.

Roman Herzog habe es in seinem vielfältigen Wirken geschafft, klare Positionen auf einem christlichen Wertefundament zu vertreten und gleichzeitig mit einem verbindenden Ton die Menschen zueinander zu bringen, sagte Thomas Kreuzer. Der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag betonte: „Er war auch ohne bayerisches Staatsamt ein sympathischer Vertreter Bayerns und hat mit seinem legendären Spruch von ‚Laptop und Lederhose‘ die Symbiose von Tradition und Fortschritt, für die er zeitlebens stand, genial beschrieben.“ Seine beliebte Art habe „viel Vertrauen in die politisch Wirkenden aufgebaut – ein in einer Demokratie und in Zeiten schnellen Wandels unglaublich wichtiger Aspekt“.  

Der Landtagsfraktionschef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, bezeichnete Herzog als Bundespräsidenten von „außergewöhnlichem Format“. Mit ihm verliere Deutschland einen renommierten Juristen, der stets auf die Stärke des Rechtsstaates gepocht habe. Seine in Berlin gehaltene „Ruck-Rede“ sei unvergessen. „Mit diesem Appell an Politik und Gesellschaft gelang es dem Niederbayern, ganz Deutschland für mehr Innovationen und eine Auflösung des seinerzeitigen Reformstaus zu sensibilisieren“, lobte Aiwanger. 

In der Tat wird Herzogs Bundespräsidentenzeit von 1994 bis 1999 vor allem mit seiner Berliner Rede von 1997 in Verbindung gebracht, in der er einen reformerischen Aufbruch im Land forderte. So sagte er: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen.“ 

Geschichtspolitisch blieb er ganz der gewohnten Erinnerungspraxis verpflichtet, die er im Jahr 1996 noch überhöhte, als er den 27. Januar deutschlandweit zum gesetzlich verankerten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus machte.

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