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Handel und Molkereien sollen in die Pflicht genommen werden

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) verspricht Milchbauern spürbare Hilfen

Montag, 30 Mai 2016 16:32
Christian Schmidt, CSU Christian Schmidt, CSU Quelle: christian-schmidt.de

Berlin - Schon vor dem am Montag in seinem Ministerium stattfindenden „Milchgipfel“ hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den deutschen Milchbauern Hilfe zur wirtschaftlichen Existenzsicherung zugesagt. EU, Bund und Länder müssten dazu „einen kräftigen Beitrag leisten“. Gefordert seien aber auch der Handel und die Molkereien, sagte Schmidt.

Ohne mehr Verantwortungsgefühl von Handel und Molkereien sieht auch der Deutsche Bauernverband keine Chance, den Milchpreisverfall und den daraus folgenden Niedergang vieler bäuerlicher Familienbetriebe aufzuhalten. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbandes, betont: „Wir müssen mit beiden Partnern zu neuen Formen der Zusammenarbeit kommen. Wir brauchen bei den Molkereien mehr Verantwortung für Mengensteuerung.“ Krüskens Appell an den Lebensmittelhandel lautet: „Das Verramschen von Milch muss aufhören.“

Wegen einer Überproduktion bei gleichzeitig wegbrechenden Abnehmermärkten – zum Beispiel Russland – kann Milch in Deutschland zurzeit nicht einmal kostendeckend produziert werden. Ein Liter kostet im Handel nur noch etwa 46 Cent. Die Milchproduzenten bekommen von den Molkereien kaum mehr als 20 Cent pro Liter, obwohl 35 Cent zur Kostendeckung nötig sind.

Ulrich Jasper, Experte der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ALB), warnt deshalb: „Die Bauern machen mit jedem Liter Milch Verlust, haben ihre Reserven aufgebraucht, machen Schulden. In normalen Jahren entscheidet jeder 50. Bauer, seine Tiere abzuschaffen. 2015 war es jeder 25. Geht das so weiter, wird 2016 jeder zehnte Milchbauer dichtmachen. Die Kühe werden exportiert oder sie kommen zum Schlachter.“

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat den Milchbauern Steuererleichterungen, Bürgschaften und Kredite zugesichert. Neben Finanzhilfen sieht der CSU-Politiker in einer Senkung der Milchmenge ein weiteres Instrument zur Unterstützung der Milchviehhalter: „Wir brauchen weniger Milch für bessere Preise.“ Preis- und Mengenfestsetzungen seien aber nicht Aufgabe des Staates, sondern der Marktteilnehmer. Über die Produktionsmengenmüssten sich die Molkereien und Milchbauern selbst verständigen.

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