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Enormes Medieninteresse am Globalisten-Treffen

Bilderberg-Konferenz in Dresden beginnt unter hohen Sicherheitsvorkehrungen

Freitag, 10 Juni 2016 19:15
Das für die Bilderberger umzäunte Taschenbergpalais in Dresden Das für die Bilderberger umzäunte Taschenbergpalais in Dresden Quelle: Derbrauni/ CC-BY-SA-4.0

Dresden – Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und begleitet von Protesten linker und rechter Gruppen startete am Donnerstag die Bilderberg-Konferenz im noblen Kempinski-Hotel Taschenbergpalais in Dresden. Den rund 130 Teilnehmern des elitären Treffens, darunter auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesinnenminister Thomas de Maizière, wurde somit zumindest von Teilen der Bevölkerung kein warmherziger Empfang bereitet, auch wenn die Kritiker durch besondere Auflagen, die während der Konferenz gelten, auf Abstand gehalten wurden. Bislang verliefen die Proteste, die sich noch über die gesamte Zeit der Bilderberg-Konferenz erstrecken werden, friedlich. Die Bilderberger halten sich noch bis zum 12. Juni in Dresden auf.

Nichts zu sehen war bislang von PEGIDA, deren Chef Lutz Bachmann noch bei dem „Abendspaziergang“ der islamkritischen Gruppe am vergangenen Montag „ein paar Aktionen“ gemeinsam mit der dem neurechten Spektrum zuzuordnenden „Einprozent“-Bewegung angekündigt hatte. Bilderberg ist nicht das klassische Terrain für zuwanderungs- und asylkritische Organisationen wie PEGIDA und „Einprozent“, wenngleich es bei der Konferenz in Dresden laut Medienberichten auch um die Migrationsströme nach Europa gehen soll. Die NPD traf sich mit rund 80 Anhängern auf dem Postplatz, wo sich auch eine dem verschwörungstheoretischen Spektrum zuzuordnende Truppe unter Leitung des Rechtsextremisten Christian Bärthel ein Stelldichein gab.

Solcherlei skurrile Außenseiter-Auftritte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es durchaus berechtigte und fundierte Kritik an den Bilderbergern gibt, die ihre jährlichen Zusammenkünfte – wenig glaubwürdig – als rein privaten Austausch deklarieren. So erklärte der Managementprofessor an der britischen Cranfield-Universität und Machtforscher Andrew Kakabadse, Autor des Buches „Bilderberg People – Elite Power and Consensus in World Affairs“, zu den diskreten Konferenzen: „Da trifft sich eine Gruppe von Leuten, die ihre Weltsicht und Philosophie durchsetzen wollen.“ Der Ökonom gibt den Bilderbergern unter anderem die Schuld daran, dass die letzte Finanzkrise nicht zu „vernünftigen Reformen“ genutzt worden sei. Die Teilnahme an einer Bilderberg-Konferenz sei eine Art Türöffner. „Mit einigen der wichtigsten Leute in der Welt zu fraternisieren, ist wie eine Droge“, so Kakabadse. „Es befördert die Teilnehmer in die am meisten bewunderten Zirkel der Macht.“

Der Münchner Mediensoziologe Rudolf Stumberger bemängelt die Intransparenz und fehlende demokratische Kontrolle der Bilderberg-Konferenzen. In einem Radio-Interview mit dem „Deutschlandfunk“ sagte Stumberger: „Es ist ja schon so, dass, wenn sich die Reichen und Mächtigen zusammensetzen und über die Welt reden, wir als Bürger davon in irgendeiner Art und Weise früher oder später betroffen sind. (…) Und daher ist das schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn diese Treffen fernab jeder demokratischen Öffentlichkeit stattfinden.“ Dies bedeute schließlich, so Stumberger, „dass neben den offiziellen Strukturen, neben den demokratischen Strukturen, die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab.“

Auch für Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster und Autor des Buches „Hirten & Wölfe: Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen“, ist die fehlende Transparenz und die ebenso nicht vorhandene demokratische Legitimation der Akteure das eigentliche Problem. „Das Wichtige und Interessante ist eben, dass diese informellen Netzwerke aus zwei Richtungen gesehen werden können. Sie können einerseits gesehen werden als etwas, was notwendig ist, was man aber transparent machen muss. Oder sie können gesehen werden als etwas, das nicht transparent gemacht werden muss, sondern das als eine Tür dient, hinter der dann auch heikle Entscheidungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt werden“, so Krysmanski. Er glaubt nicht, dass sich die Konferenzteilnehmer jedes Jahr rein privat treffen: „Abgesehen mal von familialen Bezügen, aber alles, was mit politisch relevanten Inhalten und Diskussionen und Entscheidungen zu tun hat, ob das in vertraulichen Beratungen erfolgt oder im Parlament selber, kann niemals privat sein beziehungsweise ist immer irgendwie öffentlich.“

Mittlerweile sind die Bilderberger längst kein Thema mehr, mit dem sich nur dubiose Verschwörungstheoretiker beschäftigen. Noch bei der letzten Bilderberg-Konferenz in Deutschland, die im Jahr 2005 in Rottach-Egern stattfand, widmete keine nennenswerte Zeitung dem Globalisten-Treffen auch nur eine Zeile. In Dresden geben sich Medienvertreter nun die Klinke in die Hand. Auch die SACHSEN DEPESCHE wird natürlich weiterhin über die Konferenz berichten – mit aktuellen Reportagen und Hintergrundberichten.

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