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Geologische Entdeckung

Bayerns Vulkane länger aktiv als gedacht

Donnerstag, 04 Juni 2015 20:24
Ulrike Scharf, MdL Ulrike Scharf, MdL Quelle: www.ulrike-scharf.de

Regensburg - Dem Landesamt für Umwelt (LfU) ist in der Oberpfalz die Entdeckung einer geologischen Sensation gelungen. Während einer sieben Wochen andauernden Untersuchung fanden sie vulkanische Überreste. Bohrungen belegen, dass der letzte datierbare Vulkanausbruch in Bayern nicht wie bisher angenommen Millionen von Jahren zurückliegt, sondern im Vergleich dazu nur sehr kurz: Vor 200.000 Jahren.

„Das ist eine geologische Sensation“, erklärte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf. „Die letzte massive Vulkanaktivität in Bayern liegt nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag zurück.“ Forscher datierten die jüngsten Vulkanaktivitäten im Bundesland bisher auf etwa zehn bis zwanzig Millionen Jahre zurückliegend.

Nun soll der ehemals explosive Berg mit Hilfe eines Radwanderwegs den Menschen die Erdgeschichte näher bringen, um die „explosive Vergangenheit der Oberpfalz lebendig“ zu machen, wie Scharf erklärte. „Wir werden die Erdgeschichte in der Oberpfalz neu schreiben müssen“, freute sich der Leiter des Geologischen Dienstes am LfU, Roland Eichhorn. „Zudem können wir die Klimageschichte seit der Steinzeit rekonstruieren.“

Geologen waren bei Routineuntersuchungen in dem Waldgebiet nahe der tschechischen Grenze zufällig auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa dreihundert Metern gestoßen. Von einem typischerweise zu erwartenden Trichter war indes nichts zu erkennen. Mit Hilfe von Bohrungen, die bis in eine Tiefe von einhundert Metern vorgenommen worden sind, fand man Relikte von vulkanischem Glas anhand derer die Altersbestimmung des letzten Ausbruchs datiert werden konnte.

Damals sei das Gebiet eine baumlose Kaltsteppe gewesen. In den nächsten 80.000 Jahren entstand während der Warmzeit ein dichter Laub-Mischwald. In der darauffolgenden Eiszeit wurde nicht nur dieser Wald, sondern auch der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt. Vor etwa 10.000 Jahren entstand schließlich die Landschaft, die wir noch heute dort sehen können, bestehend aus Nadelbäumen und Mooren.

Erst kürzlich hatte das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam erklärt, dass es auch heute noch deutschandweit Vulkanismus gebe. „In den Maaren der Eifel steigen noch heute Gasblasen auf“, sagte Birger Lühr. In der Vulkaneifel im Ulmener Maar hatte sich vor 11.000 Jahren der letzte bisher bekannte Vulkanausbruch Deutschlands ereignet.

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