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Bayerische AfD zufrieden mit Grundsatzprogramm der Partei

Bayerns AfD-Landesvorstand fordert Rücktritt des Hamburger AfD-Fraktionschefs Jörn Kruse

Freitag, 06 Mai 2016 22:09
Petr Bystron Petr Bystron Quelle: Bayern-AfD

München - Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der bayerische Landesvorstand der AfD massive Kritik am Hamburger AfD-Fraktionsvorsitzenden Jörn Kruse geübt und dessen Rücktritt gefordert. Kruse hatte in einem Interview das neue Grundsatzprogramm der Partei teilweise sehr negativ bewertet und insbesondere die familienpolitischen Aussagen als „vorgestrig“ und „unsäglich“ bezeichnet.

In einem Brief des bayerischen AfD-Landesvorsitzenden Petr Bystron an Kruse heißt es: „Wenn Sie sich für die AfD schämen, sollten Sie konsequent sein und aus der AfD austreten. Sie müssten intellektuell in der Lage sein, den Imageschaden zu ermessen, den Sie der Partei damit zufügen.“ Insbesondere die Art der Kritikverlautbarung ärgert Bystron. Interne Kritik sei immer erwünscht. „Dass Sie aber den Weg über die Öffentlichkeit gewählt haben, spricht Ihnen die politische Reife ab, die AfD zu repräsentieren.“

Der Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft erklärte, trotz seiner vielfach abweichenden Meinung in der AfD bleiben zu wollen. Die neuen Programmaussagen zur Familienpolitik finde er trotzdem „unsäglich und vorgestrig und frauenfeindlich. Und ich schäme mich dafür.“ Die Behauptung, dass Deutschland keine Zuwanderung bräuchte, wenn die Deutschen geburtenfreudiger seien, empfinde er als „Unsinn“ und „zum Teil wirklich peinlich“.

Jörn Kruse spricht sich auch gegen das von der Bundespartei geforderte Minarett-Verbot aus: „Ich denke nur, dass sie nicht die Gegend dominieren sollten, es ist also eine Frage der Höhe.“ Den Islam als Religion finde er „in Ordnung“ und nur als totalitäre politische Ideologie problematisch. Die in der AfD vielgestellte Frage, inwiefern sich das eine vom anderen überhaupt trennen lässt, lässt der Wirtschaftsprofessor offen.

Ganz im Gegensatz zu Kruse ist Petr Bystron mit dem neuen Grundsatzprogramm seiner Partei hochzufrieden und dankte vielen bayerischen Parteimitgliedern, die monatelang in den Fachausschüssen an der Programmarbeit mitgewirkt hätten. Nachdem das Programm beim Bundesparteitag in Stuttgart am 1. Mai mit großer Mehrheit verabschiedet worden sei, könne sich die Partei mit neuem Selbstbewusstsein in der weiteren politischen Auseinandersetzung präsentieren.

Das Programm trage vor allem bei den Themen Europa, EU, Islam und Außenwirtschaftspolitik eine deutlich bayerische Handschrift. Bystron lobte seinen Landesverband und versprach: „Wir sind ein starkes Team, ein gut organisierter Landesverband und werden uns zum Wohl Bayerns und Deutschlands auch in Zukunft engagiert ins Zeug legen.“

Nun könne kein Kritiker mehr behaupten, die AfD sei eine „Ein-Themen-Partei“ und beziehe nur zur Migrationsproblematik kritisch Stellung. Vielmehr seien jetzt alle klassischen Politikfelder mit substanziellen Positionen und Forderungen abgedeckt. Die AfD sei auf dem besten Weg zur neuen Volkspartei, erklärte Bystron.

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