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In wohnortnahen Bereichen soll es mehr Erdverkabelungen geben

Bayerisches Kabinett lehnt Planung zweier oberirdischer Stromtrassen durch Franken ab

Montag, 28 Dezember 2015 21:06
Stromtrassen Stromtrassen Quelle: PIXABAY.COM

München - In seiner letzten Sitzung des Jahres hat das bayerische Kabinett den Planungen für zwei Stromtrassen eine Absage erteilt. Strittig ist seit Langem die sogenannte „P44“-Strecke durch Franken. Diese Verbindung soll laut Netzentwicklungsplan von Thüringen durch das Coburger Land und den Naturpark Haßberge führen. Die alternativ diskutierte Trasse unter dem Arbeitstitel „P44-modifiziert“ soll von Würgau bei Bamberg nach Ludersheim bei Nürnberg führen.

Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) sagte nach der Kabinettssitzung, dass der Freistaat Bayern diese beiden Trassen-Varianten verhindern wolle, um Anwohner-Interessen Rechnung zu tragen. Huber erklärte: „Da müssen wir dann sagen: Stopp. Bitte, anders! ‚P44‘ und  ‚P44-mod‘ ist ein solcher Punkt. Die Belastung vor Ort ist so groß, dass wir das den Leuten dort nicht zumuten können.“ Bayerns Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner (CSU) sagte zur Ablehnung der beiden Trassenprojekte: „Mit unserer Stellungnahme haben wir harten Widerstand gegen die Projekte ‚P44‘ und ‚P44-mod‘ angekündigt, die weite Teile Nordbayerns in Mitleidenschaft ziehen würden. Mir erscheinen stattdessen bürger- und landschaftsverträglichere Lösungen – ob mit Erdkabeln oder neuen Technologien – gut möglich. Dies nochmals genauer zu untersuchen, ist jetzt Aufgabe der Netzbetreiber.“

Mit dem Veto der bayerischen Staatsregierung stehen die Bundesnetzagentur und die Netzbetreiber tatsächlich unter Zugzwang, Alternativstrecken für den oberirdischen Trassenbau zu präsentieren. Ursprünglich sollte ein Abschnitt der Trasse durch den Naturpark Hassberge Richtung Grafenrheinfeld führen. Nach Bürgerprotesten hat der Netzbetreiber Tennet bereits die Finanzierbarkeit einer Ausweichstrecke entlang der Autobahn A9 prüfen lassen.

Die Staatsregierung erklärte außerdem, grundsätzlich Erdverkabelungen für alle bewohnten Gebiete anzustreben. Das gelte vor allem für die Trassenprojekte „P46“ (Ostbayernring) und „P43mod“ in Unterfranken, so Ilse Aigner. Staatskanzleiminister Huber konkretisierte: „Wir wollen Erdverkabelung soweit wie möglich. Und zwar nicht nur für die Gleichstromleitungen, sondern eben auch für Wechselstrom, und wenn wir so viel wie möglich auch im Wechselstrombereich unter die Erde bringen, wird die Akzeptanz in der Bevölkerung sicherlich höher sein.“

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