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Schleuser haben die Balkanroute wieder in Betrieb genommen

Bayerische Landräte schlagen Alarm und registrieren neuen Massenzustrom von Asylbewerbern

Freitag, 08 Juli 2016 22:41
Bayerische Landräte schlagen Alarm und registrieren neuen Massenzustrom von Asylbewerbern Quelle: HESSEN DEPESCHE

München/Berlin - Die Bundesregierung verweist bei jeder Gelegenheit auf sinkende Asylbewerber-Zahlen in Deutschland, um die mit immer größerer Sorge auf die Asyl-Krise blickende Bevölkerung zu beruhigen.

Nach einer aktuellen Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld ist die Zustimmung der Deutschen zur „Willkommenskultur“ deutlich gesunken. Der Untersuchung zufolge hat auch das sogenannte Integrationsklima durch den Asylantenzustrom stark gelitten. Immer mehr Deutsche lehnen Zuwanderung ab und verlangen von den Zuwanderern mehr Bescheidenheit und Dankbarkeit.

Am Freitag verkündete Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sichtbar zufrieden, dass die Zahl neuer Asylsuchender in Deutschland im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen sei. Von Anfang Januar bis Ende Juni dieses Jahres wurden insgesamt 222.264 Neuankömmlinge registriert. Ungefähr 75.000 davon kamen aus Syrien, 39.000 aus Afghanistan und 38.000 aus dem Irak.

Bayerische Landräte wollen angesichts dieser Zahlen keine Entwarnung geben und registrieren wieder eine deutliche Zunahme der Asylsuchenden.

Der Passauer Landrat Franz Meyer warnt: „Wir sprechen lediglich von einer Verschnaufpause, weil die weltpolitische Lage nicht so ist, dass man mit Sicherheit sagen kann, was die kommenden Wochen geschieht.“Meyer deckt auf, dass die Balkanroute durch die kriminellen Aktivitäten der Schleuser längst wieder „funktioniert“. „Wir merken das vor allem an der Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“, so der CSU-Politiker. „Derzeit ist es wieder wie zu den Hochzeiten im vergangenen Herbst.“

Fast wortgleich äußert sich der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler), der im Januar aus Protest gegen Merkels Grenzöffnungspolitik 31 Asylbewerber mit einem Bus vor dem Kanzleramt absetzen ließ.

Dreier erklärt: „Das, was wir derzeit erleben, ist lediglich eine Verschnaufpause. Die kriminellen Schlepper machen sich erneut auf den Weg.“ Schnell könnten Verhältnisse wie im letzten Jahr wiederkehren, „wenn die Nordafrikaner nach Europa drängen. Oder was geschieht, wenn die Türkei etwa die Kurden vertreibt.“

Frank Koller von der Bundespolizei in Passau bestätigt, dass die Zahl der an der bayerischen Grenze aufgegriffenen illegalen Zuwanderer wieder stark ansteigt: „Wir haben seit März wieder zwischen 40 und 60 Migranten am Tag, manchmal sind es bis zu 80.“

Landrat Franz Meyer formuliert seine Sorge so: „Das größte Fass ist zu klein, wenn das Tropfen nicht aufhört.“

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