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Zweifel an Maßnahme

Bayerische Landesregierung führt Pflicht für FFP2-Masken in Nahverkehr und Handel ein

Freitag, 15 Januar 2021 23:21
Bayerische Landesregierung führt Pflicht für FFP2-Masken in Nahverkehr und Handel ein Quelle: Johannes Kraus von Sande

München - Ist eine vorherige ärztliche Untersuchung sowie Risikobelehrung plötzlich unnötig und nicht mehr erforderlich. Und wird hier die Gesundheit der Bürger leichtfertig aufs Spiel gesetzt?

Die Landesregierung um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) führt für Bayern eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken ein, die für Handel und Nahverkehr gelten soll. Nach Protesten gilt die Pflicht im Handel mittlerweile nur noch für Kunden und nicht für Verkäufer. FFP-Masken wurden nach bisheriger Rechtslage im Arbeitsschutz als Atemschutzgeräte eingestuft. Hierfür galt die Regel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV Regel 112-190 / BGR/GUV-R 190. Die genannte Regel erläutert die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ in Bezug auf die Benutzung von Atemschutz. Die Regel wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Anwendung“ des Arbeitsausschusses „Atemgeräte für Arbeit und Rettung“ im DIN-Normenausschuss Feinmechanik und Optik erarbeitet. Hierbei wurden die DIN- und EN-Normen über den Atemschutz sowie die DIN EN 529 „Anleitung zur Auswahl und Anwendung von Atemschutzgeräten“ einbezogen.

Demgemäß liest man auf der Internetseite der Gesetzlichen Unfallversicherung VBG auch als Handlungsleitfaden für die Verwendung derartiger Masken:

„Vor dem Einsatz von Atemschutzgeräten muss immer geprüft werden, ob sich diese Maßnahme nicht vermeiden lässt, indem andere technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.“ Ob die bayerische Staatsregierung „alternative Schutzmaßnahmen“ ausreichend geprüft hat, ist in jedem Falle fraglich.

Weiter dann unter Punkt 4 in den Empfehlungen der VBG: „Wegen der zusätzlichen körperlichen und psychischen Belastung der Beschäftigten durch das Benutzen von Atemschutzgeräten und der Gefährdung durch Gefahrstoffe oder bei extremem Klima sind vor dem Einsatz von Atemschutzgeräten besondere Maßnahmen zu treffen…“

Von „körperlichen und psychischen Belastungen“ der Bürger durch das Tragen der Masken hört man indes von Ministerpräsident Söder und seinem Propagandateam leider nichts. Man setzt sich wie so oft ohne weitere Aufklärung und Diskussion über bestehende Regeln hinweg und nimmt auch in diesem Bereich gesundheitliche Kollateralschäden bewusst in Kauf, die den Nutzen des Tragens in vielen Fällen weit übersteigen wird.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat im vorliegenden Zusammenhang daher aus guten Gründen folgende Empfehlung erarbeitet:

„Empfehlung organisatorischer Maßnahmen zum Arbeitsschutz im Zusammenhang mit dem Auftreten von SARS-CoV-2“. Auch von dieser Empfehlung hat der Durchschnittsbürger jedoch bislang sicher noch nicht viel durch Politik und Medien erfahren.

FFP2-Masken entfalten bei ihrer Benutzung einen deutlich spürbaren Atemwiderstand. Dieser ist im Übrigen bereits bei den herkömmlichen und bisher benutzten Alltagsmasken deutlich spürbar. Darauf bezogen schreibt die Unfallversicherung daher weiter vor:

  • „Eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach Berufsgenossenschaftlichem Grundsatz G 26 "Atemschutzgeräte" kann vor dem Einsatz notwendig werden. Von einer Vorsorgeuntersuchung kann nur abgesehen werden, wenn das Atemschutzgerät weniger als 3 kg wiegt und es keinen Atemwiderstand besitzt. Dies ist in der Regel nur bei dauerhaft zwangsbelüfteten Geräten (zum Beispiel gebläseunterstützten Geräten) oder Fluchtgeräten der Fall. Je schwerer ein Gerät und je größer der Atemwiderstand ist, umso umfangreicher fällt die Untersuchung aus.
  • Es muss überprüft werden, ob weitere Vorsorgeuntersuchungen notwendig werden, da der Einsatz von Atemschutz in der Regel aufgrund des Überschreitens von Luftgrenzwerten von Schadstoffen (AGW-Werte) notwendig wird. Dafür sind stoff- oder stoffgruppenbezogene Vorsorgeuntersuchungen erforderlich. Diese sind in der Gefahrstoffverordnung und in der Biostoffverordnung aufgeführt. In jedem Fall muss der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin zu Rate gezogen werden.
  • Der Beschäftigte darf keinen Vollbart oder starke Koteletten tragen. Dies führt zu Passungsundichtigkeiten zwischen der Atemschutzmaske und dem Gesicht, so dass Schadstoffe nach innen dringen und eingeatmet werden können.
  • Der oder die Beschäftigte muss im Benutzen des Atemschutzgerätes theoretisch und praktisch ausgebildet sein und anhand einer Betriebsanweisung mindestens einmal jährlich über Benutzung, Gefahren und Schutzmaßnahmen unterwiesen werden.
  • Das Unternehmen muss sicherstellen, dass die Atemschutzgeräte stets einwandfrei funktionieren und regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Je nach Atemschutzgerät sind regelmäßige Prüfungen der Geräte notwendig.“

Mir ist nicht bekannt, dass Ministerpräsident Söder mit dem Einführen der Maskenpflicht auch die ärztliche Untersuchung und Ausbildung aller Bürger eingeführt sowie entsprechende Ausbildungen oder Schulungenorganisiert hätte. Weiterhin gibt es bislang „gottlob“ noch kein Verbot von Vollbart und Koteletten.

Als extrem fahrlässig muss jedoch die Handlungsweise der Regierung betrachtet werden, dass neben dem Fehlen der ärztlichen Voruntersuchung aller Bürger auch die Unterweisung über die durch das Tragen der Masken entstehenden Gefahren und Risiken unterbleiben soll.

Hier müssten mindestens im öffentlichen Rundfunk praktisch ständig entsprechende Aufklärungen und Schulungen zu hören sein, geeignete ärztliche Anlaufstellen für Untersuchungen und gesundheitliche Aufklärung müssten vorher geschaffen worden sein.

In der Praxis stellt sich die Situation sogar dergestalt dar, dass bislang selbst von der Maskenpflicht befreite Personen durch den öffentlichen Druck vielfach dazu gezwungen wurden, trotzdem Masken zu tragen, um nicht in zahllosen Alltagssituationen beleidigt und diskriminiert zu werden.

Insgesamt ist also mit Einführung der verschärften Maskenpflicht fast zwangsläufig mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen und Schäden für den Bürger zu rechnen, vor allem natürlich auch bei gesundheitlich und/oder psychisch vorbelasteten Anwendern. Über den Einsatz derartiger Geräte im Fall von Pandemien liegen bislang keine ausreichenden und gesicherten Kenntnisse vor.

Nach den bisherigen Erfahrungswerten im Arbeitsschutz müssen FFP-Masken zur einmaligen Verwendung (Partikelfiltrierende Halbmaske "NR" (non reusable)) nach einer Schicht (8 Stunden) oder bei Durchfeuchtung entsorgt werden.

Die maximale Tragezeit beträgt grundsätzlich im Maximum 2 Stunden mit einer anschließendenMindesterholungsdauer von 30 Minuten. Bei einer FFP-Maske ohne Ausatemventil beträgt die maximale Tragezeit höchstens 75 Minuten mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten.

Für wiederverwendbare FFP-Halbmasken (partikelfiltrierende Halbmaske) mit der Kennzeichnung"R" (reusable) gelten entsprechende Zeiten, bis eine Aufbereitung der Maske erforderlich und letztlich auch erfolgt ist.

Letzte Änderung am Dienstag, 19 Januar 2021 00:14
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