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Bayerische FDP-Abgeordnete Julika Sandt gilt als politische Allrounderin

Dienstag, 15 September 2020 19:18
Julika Sandt ist stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Julika Sandt ist stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Quelle: Julika Sandt

München – Bei der bayerischen Landtagswahl im Oktober 2018 schaffte die FDP mit einem Ergebnis von 5,1 Prozent denkbar knapp den Einzug in den Landtag. So zog auch die erfahrene Landespolitikerin Julika Sandt (Jahrgang 1971) erneut ins Maximilianeum ein. Von 2008 bis 2013 vertrat sie die Liberalen bereits im Bayerischen Landtag und gehörte unter anderem dem Bildungsausschuss an. In ihrer Fraktion fungierte sie als Fachsprecherin für Medien, Kultur und Gesundheit. Nach dem erfolgreichen Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie arbeitete sie zunächst als Wirtschaftsredakteurin, Pressestellenleiterin und Chefredakteurin. Vor ihrem ersten Landtagseinzug war sie die führende Presse- und Öffentlichkeitskoordinatorin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns und Chefredakteurin ihrer Printmedien. Bei der Interessenvertretung der bayerischen Zahnärzte leitete sie nach ihrem Landtags-Aus ab 2014 auch wieder die Stelle für Public Affairs. Die 48-Jährige ist seit 2004 Mitglied der Freien Demokraten und zeigte sich schnell hochengagiert. Zunächst avancierte sie zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden der FDP München Süd und kandidierte 2005 im Münchner Süden für den Bundestag. In den Jahren von 2006 bis 2008 war die Charismatikerin Vize-Vorsitzende und Pressesprecherin des FDP Stadtverbandes München und wurde 2008 zudem Mitglied im Bezirksausschuss München 19. Ein guter Platz auf der FDP-Bezirksliste Oberbayern sicherte ihr im gleichen Jahr ein Landtagsmandat.

Zehn Jahre später gelang den Freien Demokraten ihr Comeback auf Landesebene. Seit 2018 gehört Sandt dem Landtagsausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie an und ist naheliegenderweise Fraktionssprecherin für Arbeit, Soziales, Jugend, Familie, Frauen und Menschen mit Behinderung. Außerdem arbeitet sie in der Kinderkommission des Bayerischen Landtages und dem Stiftungsrat der Stiftung Opferhilfe Bayern mit.

Als Sprecherin der FDP-Fraktion für frühkindliche Bildung kritisierte sie Ende August den Zustand der Kinderbetreuung im Freistaat. Dabei bezog sie sich auf die neue Studie „Ländermonitoring frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung. „Das schlechte Abschneiden Bayerns kommt nicht von ungefähr. Es war die bayerische Staatsregierung, die mehr als die Hälfte des sogenannten Gute-Kita-Geldes für Wahlversprechen statt für Qualität ausgegeben hat“, so Julika Sandt. Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) solle die Studie zum Anlass nehmen, in die Qualität der Kitas zu investieren. „Um den Personalmangel zu bekämpfen, muss die bezahlte und verkürzte Ausbildung zum Standard werden und die Akademien sind entsprechend aufzustocken“, verlangte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Sandt ist sichtlich bemüht, ihre FDP vom Negativimage der kalten und potenziell unsozialen Wirtschaftspartei zu befreien. Auch zur „sozialliberalen“ Profilschärfung setzte sich die gebürtige Hildesheimerin sofort für den Gesundheitsschutz der größtenteils ausländischen Erntehelfer ein, die sich auf einem Bauernhof im niederbayerischen Mamming massenhaft mit dem Coronavirus infiziert hatten. Die bayerische Staatsregierung gab sich völlig überrascht und stellte fast 500 Menschen unter Quarantäne. Für die Freie Demokratin war das eine Katastrophe mit Ansage. Aus ihrer Sicht hat die Söder-Regierung nämlich bei der Gesundheitskontrolle der Erntehelfer regelrecht geschlampt: „Beim arroganten Umgang der Staatsregierung mit dem Gesundheitsschutz von Erntehelfern war es nur eine Frage der Zeit, wann es wieder Corona-Herde in Bayern geben würde.“ In diesem Zusammenhang erinnerte sie daran, dass ihre Forderung nach flächendeckenden Kontrollen der Landwirtschaftsbetriebe hinsichtlich der Arbeitsbedingungen jüngst noch abgelehnt wurde. Erst im Mai hatte das Gesundheitsministerium auf Anfrage von Sandt erklärt, man halte eine Abfrage bei den Gesundheitsämtern nach Gesundheitskontrollen von Erntehelfern und Saisonarbeitern insbesondere in Corona-Zeiten für einen „unverhältnismäßig hohen Aufwand“. Diese Problemignoranz rächte sich in Mamming. Gesundheitsschutz und die Garantie menschenwürdiger Arbeitsbedingungen seien Grundrechte, unterstrich die Abgeordnete. Das gelte gerade für die Menschen, deren anstrengende Arbeit die Lebensmittelversorgung sicherstelle. „Durch die Untätigkeit während der Corona-Krise hat die Staatsregierung die Grundrechte dieser Menschen mit Füßen getreten.“

In ihrer Eigenschaft als frauenpolitische Fraktionssprecherin befasst sich Julika Sandt auch mit Themen, die anderen als randständig gelten. Im Juli dieses Jahres besuchte sie beispielsweise in Nürnberg Kassandra e.V., eine bekannte Beratungsstelle für Prostituierte. Begleitet vom Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer Matthias Fischbach machte sie sich vor Ort ein persönliches Bild von den Beratungsangeboten des Vereins. Danach erklärte sie: „Prostituierte brauchen keine starren Verbote, sondern echte Selbstbestimmung. Die schaffen wir am besten durch ein dichteres Netz an Beratungsstellen, auch mit Online-Angeboten. Gleichzeitig muss der Staat mit aller Härte gegen unfreiwillige Sexarbeit vorgehen. Hierbei muss nicht nur die Polizei eine starke Rolle spielen, sondern auch Sozialarbeit und Aufklärung.“ Kassandra e.V. leiste hier einen wichtigen Beitrag.

Als Medizinjournalistin interessiert sich Sandt quasi von Haus aus für Medien- und Gesundheitsfragen. So setzt sie sich erklärtermaßen für Pressefreiheit und Meinungsvielfalt ein und will „die Zukunft des Qualitätsjournalismus“ durch Stärkung der allgemeinen Medienkompetenz sichern. Ausbauen will die FDP-Politikerin auch die Qualität der Gesundheitsversorgung durch Haus- und Fachärzte, Zahnärzte, Pflegepersonal sowie Apotheken und Kliniken. Gerade kranke Menschen seien auf „kurze Wege und menschliche Medizin“ angewiesen. Dazu müssten freiberufliche Strukturen genauso erhalten bleiben wie die freie Arzt- und Therapiewahl. Es verwundert nicht, dass Julika Sandt in der bayerischen Landespolitik als Allrounderin gilt.

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