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Kirchenvertreter wird in sozialen Medien Islam-Anbiederung vorgeworfen

Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kann sich einen muslimischen Bundespräsidenten vorstellen

Freitag, 04 November 2016 21:34
Erzbischof Ludwig Schick in Afrika Erzbischof Ludwig Schick in Afrika Quelle: de.wikipedia.org | T. E. Ryen

Bamberg - In der Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck hat sich nun ein hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche zu Wort gemeldet.

Bambergs Erzbischof Ludwig Schick kann sich laut Medienberichten gut einen Muslim als neuen Bundespräsidenten vorstellen. Das geistliche Oberhaupt von rund 700.000 Katholiken in Franken sagte auf einer Podiumsdiskussion, dass es auch die Kirche akzeptieren werde, wenn ein Muslim von einer Mehrheit der Bundesversammlung zum deutschen Staatsoberhaupt gewählt würde. Alles andere sei undemokratisch.

Schick geht aber nicht davon aus, dass ein muslimischer Bundespräsident in der Bevölkerung derzeit mehrheitsfähig wäre. Eine erst vor wenigen Tagen vorgestellte Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat in der Tat ergeben, dass 56 Prozent aller Bayern eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen zeigen.

Trotz der auch in anderen Umfragen ermittelten Islam-Skepsis der Deutschen wird immer wieder der muslimische Schriftsteller Navid Kermani als möglicher Gauck-Nachfolger vorgeschlagen. In den Jahren von 2006 bis 2009 gehörte der Orientalist iranischer Herkunft der Deutschen Islamkonferenz an.

Dass Schick trotz seines Kirchenamtes keine Probleme mit einem Muslim als Bundespräsident hätte, überrascht politische Beobachter nicht. Anfang 2015 hatte der Erzbischof den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ die Verbreitung von Hass und Aggressionen vorgeworfen und apodiktisch erklärt: „Christen dürfen bei PEGIDA nicht mitmachen.“

Später kritisierte er zusammen mit seinen Bischofskollegen Reinhard Marx (München-Freising) und Friedhelm Hofmann (Würzburg) einzelne CSU-Politiker wegen herabwürdigender Äußerungen im Zusammenhang mit Asylbewerbern. „Ich will, dass alle, und besonders natürlich die, die ein C im Namen führen, sich auch entsprechend verhalten“, betonte Schick. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) wies die „Kritik der hochwürdigen Bischöfe“ als „vielfach überzogen, undifferenziert und meines Erachtens auch unchristlich“ zurück und lobte die „humanitäre Konzeption“ seiner Partei zur Bewältigung der Asylkrise.

In den sozialen Medien steht Ludwig Schick nach seinen jüngsten Äußerungen unter Dauerkritik. Ihm wird in unterschiedlicher Schärfe Anbiederung an den Islam, Kulturrelativismus und eine Beteiligung an der Zerstörung des Abendlandes vorgeworfen. Kirchenvertreter wie er, heißt es, seien dafür verantwortlich, dass sich immer mehr Christen von der katholischen Kirche abwenden.

Der neue Bundespräsident wird am 12. Februar 2017 gewählt.

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