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Armin Laschet will Bundeskanzler werden

Auch Markus Söder zur Kanzlerkandidatur bereit

Dienstag, 13 April 2021 15:49
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), hier mit dem Visionär Cengiz Ehliz (Wee, FlexCom), möchte wohl doch Bundeskanzler werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), hier mit dem Visionär Cengiz Ehliz (Wee, FlexCom), möchte wohl doch Bundeskanzler werden. Quelle: BAYERN DEPESCHE, Johannes Kraus von Sande

München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist dazu bereit, als Kanzlerkandidat der Union zu anzutreten. Im Rahmen einer Klausurtagung der Fraktionsspitze der Union äußerte er: „Wenn die CDU bereit wäre, mich zu unterstützen, wäre ich bereit. Wenn die CDU es nicht will, bleibt ohne Groll eine gute Zusammenarbeit.“

Neben Söder möchte jedoch auch der CDU-Parteivorsitzende und Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Armin Laschet Kanzlerin Merkel beerben. In aktuellen Umfragen schneidet er jedoch nicht eben glorios ab; selbst in seinem eigenen Bundesland hält die Mehrheit der Wähler Markus Söder für den besseren Kanzlerkandidaten. Auf einer Pressekonferenz nach der Klausurtagung erklärte Laschet, er habe ein langes Gespräch mit Markus Söder geführt. „Unser Ziel ist es, in dieser Lage, in der das Land ist, mit einer Kanzlerin, die aus dem Amt geht, so viel Einigkeit wie möglich zwischen CDU und CSU zu leisten, denn es geht um viel“, ergänzte er.

Die Einschätzung, dass es für die Union um viel gehe, scheint jedenfalls richtig zu sein. Beide Ministerpräsidenten geben in ihren jeweiligen Ländern beim derzeitigen Kardinalthema der Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht eben ein gutes Bild ab. Sowohl die CDU als auch die CSU kämpfen zu allem Übel auch noch mit Vorwürfen der Korruption in den eigenen Reihen, wobei die Familie Laschets sogar selbst mit dem Verdacht auf dubiose Maskengeschäfte konfrontiert wurde. In der CSU stellt derzeit der Fall des ehemaligen bayerischen Justizministers Sauter die Spitze der mutmaßlichen Verfehlungen dar, die Causa Andreas Scheuer geistert als untoter Wiedergänger seit langem durch die politische Landschaft. Wer den seit Jahrzehnten bestehenden „Parteifilz“ in Bayern kennt und beobachtet hat, dem dürfte klar sein, dass eine Kandidatur Söders für das Amt des Bundeskanzlers gerade in der jetzt zum Thema sensibilisierten Wählerschaft einem Lauf über ein Minenfeld gleichkommen wird. Unerwartete Explosionen können hierzu jedem Zeitpunkt den Kandidaten schwer beschädigen oder gar aus dem Rennen werfen. Die bereits bekannten Fälle von Korruption haben inzwischen ein Ausmaß erreicht, das durchaus dazu geeignet ist, das Vertrauen der Bürger in Demokratie und Rechtsstaat grundsätzlich zu erschüttern. Nicht nur politische Extreme stellen nämlich eine Gefahr für eine Demokratie dar, sondern auch die Korrumpierbarkeit der sogenannten politischen Mitte. Diese nährt auch geradezu die politischen Ränder, wie der wieder zunehmende Zuspruch für die AfD unschwer aufzeigt. Mit einem Kandidaten Friedrich Merz, der derzeit keinerlei Regierungsverantwortung trägt, wäre die Union daher derzeit in jedem Falle besser beraten gewesen. Diese Chance wurde jedoch im Rahmen politischer Macht- und Ränkespiele leider endgültig vertan.

Interessant ist durchaus auch die Beobachtung, dass sich Laschet zumindest nach außen hin teilweise von Kanzlerin Merkel distanziert, während Söder sich mehr auf ihrer politischen Linie zu bewegen scheint. Ihre aktuellen Anläufe zur Aushöhlung des Föderalismus für die Novelle des Infektionsschutzgesetzes finden in Söder einen willfährigen Gehilfen. Für seine aktuellen Ambitionen scheint er zumindest zeitweise auch auf seinen beinahe autokratischen Führungsstil verzichten zu wollen. Es wird auch interessant sein, zu beobachten, in welcher Form der etablierte Machtzirkel um Angela Merkel auf ihre Nachfolge Einfluss nehmen kann und wird. Die vorausgegangene Schlacht um den Parteivorsitz mag hier durchaus ein Menetekel sein.

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