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Langzeitarbeitslosigkeit

Andrea Nahles fordert Betreuung bis in den Job hinein

Montag, 01 Juni 2015 23:38
Andrea Nahles, SPD Andrea Nahles, SPD Quelle: SPD | Foto: Dominik Butzmann

Berlin - Wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte, sollen ehemalige Hartz-IV-Empfänger zukünftig länger nach ihrer Vermittlung betreut werden. So plane die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) eine Ausweitung der Nachbetreuung, um gerade bei Langzeitarbeitslosen die Abbruchsrate beim Neueinstieg in das Berufsleben zu minimieren.

Das Bundesarbeitsministerium rechne mit bis zu 300.000 Profitierenden. Eine Nachbetreuung erfolge derzeit nur bei Aufstockern und jenen, die vom Jobcenter gefördert werden. Man sei sich aber einig, „die gesetzliche Grundlage für eine nachgehende Betreuung nach Entfallen der Hilfebedürftigkeit zu verbreitern“, erklärte Anette Kramme, Staatssekretärin im Arbeitsministerium.

In Modellprojekten hätten sich die positiven Effekte einer Nachbetreuung bestätigt. Wer nach langer Zeit daheim wieder arbeiten geht, dessen „persönliche Belastungssituation“ nehme zu. Insgesamt sind fast fünfzig Prozent der ehemals Arbeitslosen nach einem halben Jahr wieder ohne Stelle. Hier unterstütze die Betreuung den Durchhaltewillen und verringere Rückfälle, so die Ergebnisse der Testläufe.

„Die Zahl derer, die nach kurzer Zeit wieder in die Arbeitslosigkeit gehen, ist viel zu hoch“, kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann. „Eine gesetzliche Grundlage für die Unterstützung aller ehemals Erwerbslosen im neuen Job ist mehr als überfällig.“

Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen im Bundestag, Brigitte Pothmer, kritisierte hingegen, dass zu viele Arbeitslose direkt ins Hartz IV fielen, ohne zuvor vom versicherungsfinanzierten Arbeitslosengeld zu profitieren. So ergab eine Anfrage ihrer Fraktion, dass nahezu jeder vierte Beschäftigte nach Arbeitsplatzverlust lediglich die Grundsicherung erhalte. Dies betreffe vor allem kurzfristig Beschäftigte und Geringverdiener.

„Für nahezu jeden Vierten, der arbeitslos wird, besitzt die Arbeitslosenversicherung keine Schutzfunktion mehr“, monierte Pothmer. Die Regierung sei aufgefordert, die Arbeitslosenversicherung auf die veränderten Umstände der heutigen Arbeitswelt anzupassen. „Im Zuge der Digitalisierung und der Entstehung neuer Beschäftigungsformen wird dieser Trend zunehmen.“ So müsse man heute innerhalb von zwei Jahren mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, um einen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld zu haben.

Arbeitslose sollten künftig früher Leistungen beziehen dürfen und bereits nach vier Monaten gezahlter Beiträge Anspruch auf mindestens zwei Monate Arbeitslosengeld haben, so Pothmer. Je länger eingezahlt worden ist, umso länger sollte außerdem die Dauer des Bezugs sein.

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