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Kirche untersagt geplante Gedenktafel der AfD zu Ehren von Franz Josef Strauß

AfD Bayern-Chef Petr Bystron: "Franz Josef Strauß wäre heute in der AfD"

Donnerstag, 14 April 2016 17:04
Franz Josef Strauß Franz Josef Strauß Quelle: de.wikipedia.org | Ailura | CC BY-SA 3.0

München - Der Vorschlag sichert der AfD bayernweite Aufmerksamkeit und bringt die CSU in eine Zwickmühle: Der AfD-Kreisverband München-Nord hat angekündigt, am Geburtshaus des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß eine Gedenktafel anzubringen.

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron beklagt, dass das Franz-Josef-Strauß-Geburtshaus in der Münchner Schellingstraße 47 immer noch kein Erinnerungsort für den großen Bayern ist. Der AfD-Politiker erklärt den Vorstoß seiner Partei so: „Viele unserer Mitglieder gehen fast täglich an dem Geburtshaus vorbei. Wir konnten es nicht glauben, dass es dort kein Zeichen der Erinnerung gibt. Da es die CSU nicht einmal zum 100. Geburtstag von FJS gemacht hat, nehmen wir es nun in die Hand.“

Den Vorwurf parteipolitischer Instrumentalisierung lässt der bayerische AfD-Landeschef nicht gelten: „Franz Josef Strauß war der wichtigste bayerische Politiker der Nachkriegszeit. Es ist schäbig, ihm in seiner Geburtsstadt nicht zu gedenken. Das hat mit Parteipolitik nichts zu tun.“ Auf der Gedenktafel solle deshalb auch jeder Hinweis auf die AfD fehlen.

Für die CSU ist die AfD-Initiative äußerst unangenehm, fördert sie doch die Spekulation darüber, welches politische Zeugnis Strauß der heutigen CSU ausstellen würde. Viele Bayern fragen sich in der Tat, ob es Strauß angesichts des unkontrollierten Asylantenzustroms auch nur bei folgenlosen Dauerdrohungen gegen die Bundeskanzlerin belassen hätte, wie es Horst Seehofers Markenzeichen geworden ist.

Petr Bystron erklärt deshalb selbstbewusst: „Franz Josef Strauß stand wie kaum ein anderer für die konservativen Werte in der Politik, die allesamt von der heutigen CSU längst aufgegeben wurden. Würde FJS heute leben, wäre er sicher in der AfD.“ Die CSU sei „so weit nach links gerückt, dass sie nicht mehr die Partei von Franz Josef Strauß ist“. Der AfD-Landesvorsitzende nennt „die Ausweitung des Islamunterrichts und die Frühsexualisierung an den bayerischen Schulen“, die zeigten, dass die CSU „vor dem linken Mainstream eingeknickt“ ist.

Franz Georg Strauß, einer der beiden Söhne des früheren Ministerpräsidenten, spricht von „Roßtäuscherei“ und betont: „Die AfD hat mit Strauß nichts zu tun. Unser Vater hätte sich nie von der AfD vereinnahmen lassen, sondern nur von der CSU.“ Die CSU selbst hat sich zur AfD-Initiative bislang nicht geäußert.

Nachdem zwischenzeitlich eine provisorische Gedenktafel mit Bild, Namen sowie Geburts- und Todesdatum der CSU-Ikone an die Wand des Hauses in der Schellingstraße genagelt wurde, die der Hausmeister umgehend wieder entfernte, hat sich auch die katholische Kirche als Hauseigentümerin zu Wort gemeldet. Das Erzbischöfliche Ordinariat in München untersagte der AfD am Mittwoch die Anbringung einer Erinnerungstafel am Objekt. Das eigentliche Geburtshaus Strauß’ war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, und der Nachfolgebau dient heute als katholisches Jugendwohnheim.

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