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Salafisten rekrutieren Gläubige für Kriegsgebiete im Nahen Osten

34 Objekte der Islamisten-Vereinigung „Die wahre Religion“ in Bayern durchsucht

Freitag, 18 November 2016 02:52

München - Nachdem das Bundesinnenministerium die Vereinigung „Die wahre Religion“ (DWR) alias „LIES! Stiftung“ einschließlich mehrerer Teilorganisationen verboten hat, durchsuchten die Sicherheitskräfte auch in Bayern zahlreiche Objekte der Organisation. Diese macht seit Jahren durch deutschlandweite Koran-Verteilaktionen auf städtischen Plätzen und in Fußgängerzonen auf sich aufmerksam, ohne dass Politiker und Sicherheitsbehörden bisher eingeschritten wären.

Die gestiegene Terrorgefahr durch islamistische Kreise und die wachsende Islam-Skepsis in der Bevölkerung haben bei der Bundesregierung offenbar zu einem Umdenken geführt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte das Verbot des Netzwerkes als wichtigen Schlag gegen die Salafisten-Szene. „Das heutige Verbot entzieht den LIES!-Ständen die Grundlage. Vordergründig beschränkten sich die Veranstalter nur darauf, kostenlose Korane zu verteilen. Tatsächlich war die verbotene Vereinigung jedoch ein Sammelbecken dschihadistischer Islamisten. Sie rekrutierte Personen für den bewaffneten Dschihad in Syrien und im Irak.“ Dem werde nun ein Riegel vorgeschoben. Wo immer Vereinsverbote möglich seien, werde der Staat davon Gebrauch machen, betonte Herrmann.

Im Zuge der Maßnahmen wurden im Auftrag des bayerischen Innenministeriums und auf der Grundlage verwaltungsgerichtlicher Anordnungen in Bayern 34 Objekte durchsucht, die der Vereinigung zugerechnet werden – elf davon in Oberbayern, zwei in Oberfranken, zehn in Mittelfranken, eines in Unterfranken und zehn in Schwaben. Insgesamt waren im Freistaat 240 Kräfte im Einsatz, die zahlreiche Datenträger und weitere Beweismittel sicherstellten.

Nach Einschätzung des bayerischen Innenministeriums vertritt „Die wahre Religion“ (DWR) eine Ideologie, die die verfassungsmäßige Ordnung radikal ablehnt und den bewaffneten Dschihad befürwortet. Eine ganze Reihe von Personen, die LIES!-Stände betreuten, sei später in die Kriegsgebiete im Nahen Osten ausgereist, um sich dort islamistischen Gruppierungen anzuschließen.

„Der angebliche religiöse Zweck war nur vorgeschoben“, konkretisierte Herrmann. „Stattdessen ging es darum, die dschihadistisch-islamistische Ideologie zu verbreiten und neue Anhänger zu gewinnen.“ Zielgruppe seien insbesondere junge, teilweise sogar noch minderjährige Personen.

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