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Psychiatrischer Gutachter stellte volle Schuldfähigkeit der Mutter fest

14 Jahre Haft für angeklagte Mutter im Wallenfelser Babyleichen-Prozess

Donnerstag, 21 Juli 2016 18:16
14 Jahre Haft für angeklagte Mutter im Wallenfelser Babyleichen-Prozess Bildquelle: PIXABAY.COM

Wallenfels/Coburg - Das Landgericht Coburg hat die Mutter der acht toten Babys, die im vergangenen November im oberfränkischen Wallenfels gefunden wurden, wegen Totschlags in vier Fällen zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagte Vater wurde freigesprochen.

Im Prozess mit nur vier Verhandlungstagen hatte ein psychiatrischer Gutachter die Mutter für voll schuldfähig erklärt und festgestellt, dass sie weder psychisch schwer krank noch alkoholabhängig sei.

Die Staatsanwaltschaft forderte für die 45-Jährige eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes in vier Fällen und die Feststellung der besonderen Tatschwere.

Der Verteidiger der Frau hatte auf das Phänomen des „Neonatizids“ verwiesen, bei dem Frauen ihre Schwangerschaft verdrängen und ihr Neugeborenes direkt nach der Geburt töten. Auf eine konkrete Strafforderung verzichtete der Anwalt und erklärte nach der Urteilsverkündung: „Wir werden keine Revision einlegen. Das ist mit meiner Mandantin abgesprochen.“

Den ebenfalls angeklagten Vater sprach das Landgericht vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord frei. Der 55-Jährige hatte beteuert, von den Schwangerschaften seiner Frau nichts mitbekommen zu haben.

Am 12. November 2015 hatte eine Anwohnerin in Wallenfels im Landkreis Kronach eine Säuglingsleiche in der Wohnung der Mutter entdeckt. Im Rahmen der Spurensicherung entdeckte die Kriminalpolizei dann die sterblichen Überreste von sieben weiteren Säuglingen. Aufgrund des Verwesungsgrades der Leichen konnten die Geburten-Zeitpunkte nicht mehr festgestellt werden.

Die Mutter wurde kurz darauf festgenommen und des mehrfachen Mordes angeklagt.

Laut Staatsanwaltschaft kamen von den acht Kindern mindestens vier lebend zur Welt, die dann getötet wurden. Bei den anderen Kindern habe man nicht mehr feststellen können, ob sie gelebt haben oder lebensfähig waren. Deswegen wurde die 45-Jährige nur in vier Fällen wegen Totschlags verurteilt.

Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) sagte nach dem Urteil, dass der Prozess die Erwartungen jener Bürger nicht erfüllt habe, die sich eine Aufklärung der Tatmotive erhofft hätten. Die Stadt plane jetzt eine Gedenkstätte oder eine letzte Ruhestätte für die toten Babys.

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