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Rekrutierung für den „Islamischen Staat“

13-Jähriger aus München wollte in Dschihad ziehen

Mittwoch, 29 Juli 2015 17:34
13-Jähriger aus München wollte in Dschihad ziehen Quelle: www.allmystery.de

München - Ein 13 Jahre alter Junge aus München wollte sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien anschließen und konnte erst kurz vor der Einreise in das Kriegsgebiet gestoppt werden. Am vergangenen Freitag wurde er im türkisch-syrischen Grenzgebiet in Gaziantep festgenommen, nachdem die deutsche und türkische Polizei Hinweise auf den Aufenthaltsort des Nachwuchs-Dschihadisten erhalten hatten. Vorher war es ihm mit dem gestohlenen Pass eines Deutsch-Türken nach einer langen Zugreise durch Europa gelungen, gleich mehrere Grenzübergänge zu passieren. Der Internet-Blog „Erasmus Monitor“, der intensiv über die Gotteskrieger-Szene berichtet, soll den Behörden beim Aufspüren des 13-Jährigen geholfen haben. Außerdem hatte er Spuren bei Facebook hinterlassen, wo er offenbar vermeintliche Terrorhelfer anschrieb, die ihm von Gaziantep den Weg über die Grenze weisen sollten.

Nach Medienberichten hat er die Reise gemeinsam mit einer weiblichen Verwandten angetreten, die in Syrien einen IS-Kämpfer heiraten wollte. Als der Muslima an der Grenze zur Türkei ein Visum verwehrt wurde, reiste der deutlich älter wirkende 13-Jährige alleine weiter.

Der blutjunge Islamist, der sich in München radikalisiert hat, soll nun zurück nach Deutschland gebracht werden. Für Sicherheitskreise ist er ein Paradebeispiel für die Fanatisierung unter jungen Muslimen in Deutschland, die sich aus unterschiedlichsten Gründen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ anschließen wollen. Aufgetauchte Fotos und Videos zeigen den 13-Jährigen bei Koran-Verteilungen und „Lies“-Infoständen, die der Salafisten-Verein „Die wahre Religion“ betreibt. Er verteilt in Großstädten kostenlos Korane in deutscher Sprache.

Nach offiziellen Zahlen sind gegenwärtig 750 Islamisten aus Deutschland in die Kriegsgebiete ausgereist, um für das „Kalifat“ der Terrormiliz zu kämpfen – darunter auch etwa 100 Frauen. Die wirkliche Zahl der Ausgereisten dürfte vierstellig sein. Etwa ein Drittel von ihnen soll inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt sein, ohne dass ihnen aus Sicherheitsgründen die Wiedereinreise verweigert wurde.

Die salafistische Szene in der bayerischen Landeshauptstadt, in der sich der Beinahe-Dschihadist bewegte, umfasst laut Verfassungsschutz etwa 200 Personen und ist in der letzten Zeit „deutlich“ gestiegen. 16 von ihnen werden von den Behörden für „Gefährder“ und damit potentielle Terroristen mit besten Kontakten zu den Mittelsmännern des „Islamischen Staates“ gehalten. In der radikal-islamischen Szene im Großraum München beobachtet der Verfassungsschutz „intensive Rekrutierungsaktivitäten“ unter den auffallend vielen jungen Anhängern.

Die Sicherheitsbehörden sind bei der Bewertung der hiesigen Islamisierungstendenzen gut beraten, immer an eine Aussage des ägyptischen Islam-Kenners Hamed Abdel-Samad zu denken. Dieser sagte: „Es gibt im Koran 25 direkte Tötungsbefehle, die Allah an die Gläubigen ausspricht. Warum behauptet man, der ‚Islamische Staat‘ würde den Koran falsch interpretieren? Die Gotteskrieger interpretieren gar nichts. Sie setzen nur das um, was im Koran unmissverständlich steht.“

Letzte Änderung am Sonntag, 06 August 2017 02:25
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