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Zertifikate für „interkulturelle Suchtmediatoren“ vergeben

100.000 Euro für „Interkulturelle Suchthilfe in Bayern mit Migranten für Migranten“

Mittwoch, 23 November 2016 22:50

München - Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) strebt eine stärkere Aufklärung von Ausländern über Suchtgefahren an. „Oft verhindern Sprachbarrieren und Unkenntnis, dass Migranten bei Suchtfragen Hilfe in Anspruch nehmen. Landsleute können in diesem Fall die besten ‚Türöffner‘ sein“, sagte die christsoziale Politikerin in München. „Deshalb ist das Modellprojekt ‚Interkulturelle Suchthilfe in Bayern mit Migranten für Migranten‘ für die Suchtpräventionsarbeit so wertvoll.“

Im Rahmen des Modellprojekts haben sich seit Juni 2015 bislang 26 Personen mit Migrationshintergrund in einer landesweiten Schulung zu „interkulturellen Suchtmediatoren“ ausbilden lassen. Das bayerische Gesundheitsministerium fördert das Projekt, das noch bis Ende Mai 2017 läuft, mit 100.000 Euro. Umgesetzt wird es vom Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. (EMZ) Hannover in Kooperation mit dem Bayerischen Zentrum für Transkulturelle Medizin e.V. und mehreren bayerischen Suchthilfeeinrichtungen.

Vor wenigen Tagen erhielten die 26 Absolventinnen und Absolventen aus der Hand der Gesundheitsministerin ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme am Suchtmediator-Kurs, der mit einer Abschlussprüfung endete.

„Dank unserer qualifiziert ausgebildeten Suchtmediatoren finden betroffene Migrantinnen und Migranten kompetente Ansprechpartner, die sie an der Hand nehmen und ihnen helfen, sich zurechtzufinden“, unterstrich Huml. „Es sind Menschen, die die eigene Sprache sprechen und den kulturellen Hintergrund kennen. Aus dem Mund von Landsleuten sind die Informationen viel besser verständlich – und Beratungs- und Hilfsangebote lassen sich auch leichter annehmen.“

Seit Juli dieses Jahres bieten die Mediatoren muttersprachliche Suchtpräventionsveranstaltungen in den Lebenswelten von Ausländern an, zum Beispiel in Kulturvereinen, Asyl-Unterkünften, Schulen, Sprach- und Integrationskursen oder religiösen Einrichtungen. Diese Veranstaltungen gibt es derzeit in Augsburg, Amberg, Fürth, München und Nürnberg. Die Ministerin wünscht sich eine Ausweitung des Angebotes auf ganz Bayern.

Zur Reichweite des Modellprojekts sagte die CSU-Politikerin: „Wir gehen davon aus, dass über den gesamten Projektzeitraum mehr als 2.000 Migranten über die Themen ‚Drogen und Sucht‘ informiert werden können.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 23 November 2016 23:07
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