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Bayerischer Rundfunk verteidigt Verbannung der Volksmusik in Digitalbereich

Kritik am BR: Mehrere Online-Petitionen gegen Absetzung der Volksmusik beim Radiosender „Bayern 1“

Samstag, 13 Februar 2016 01:17
Logo des Bayerischen Rundfunks Logo des Bayerischen Rundfunks Quelle: de.wikipedia.org

München - Vor einigen Tagen kündigte der Bayerische Rundfunk (BR) an, Volksmusiksendungen ab Mitte Mai nur noch auf dem Digitalsender „BR Heimat“ zu senden und diese Musiksparte aus dem Programm von „Bayern 1“ zu verbannen. Damit sollen auf „Bayern 1“ zukünftig sogenannte Formatbrüche zwischen Blas- und Volksmusik einerseits und Pop- und Rockmusik andererseits vermieden werden.

Gegen diese Entscheidung wurde schnell politischer Protest laut. Heimatminister Markus Söder (CSU) rief den Sender dazu auf, sich seiner bayerischen Identität bewusst zu werden und das kulturell Unverwechselbare herauszustellen: „Der BR soll der Bayerische Rundfunk bleiben und nicht zu einem WDR 2 oder WDR 4 werden.“ Söder plädierte dafür, die Heimatwelle weiterhin auch analog auszustrahlen, damit große Teile der Radiohörerschaft nicht auf Volksmusik verzichten müssen. Er fände es schön, wenn „Bayern 1“ auch Heimat der Volksmusik bliebe.

Ähnlich positionierte sich die Fraktion der Freien Wähler im Bayerischen Landtag. Ihr Abgeordneter Michael Piazolo forderte, dass Volksmusiksendungen auch in Zukunft auf „Bayern 1“ gesendet werden. Er erinnerte an den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ein Angebot für alle Hörer bereitzustellen und warnte: „Der BR läuft Gefahr, nach den Klassikfans eine weitere wichtige Hörerschaft zu verlieren.“

Carmen Kühnl, Vorsitzende des Vereins für Volkslied und Volksmusik, sagte: „Es ist gefährlich, dass bayerisches Leben nunmehr in einer Nische stattfindet.“ Sie kritisierte, dass schon seit Jahren der Volksmusikanteil in den Radioprogrammen des Bayerischen Rundfunks sinke: „Das ist eine Entwicklung, die ein Rundfunk, der das Bayerische im Namen trägt, eigentlich nicht zulassen dürfte.“

Der Bayerische Rundfunk versuchte die Kritiker mit dem Hinweis zu beschwichtigen, dass „BR Heimat“ mit rund 110.000 Hörern im Freistaat die erfolgreichste Digitalwelle des Senders sei. Mit dem neuen Sendeplatz erhalte die Volks- und Blasmusik sogar „mehr Platz als je zuvor“, erklärte der Bayerische Rundfunk, der aber genau weiß, dass viele Volksmusikfreunde gar nicht erreicht werden können, wenn ihre Musik nicht mehr über UKW zu hören ist.

Gleich drei Online-Petitionen gegen die Verbannung der Volksmusik in den Digitalbereich und für deren Verbleib im Programm von „Bayern 1“ wurden gestartet. Die erfolgreichste Petition initiierte Maximilian Stocker von der Bayernpartei auf der Plattform „openPetition“ (https://www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-absetzung-der-taeglichen-volksmusik-auf-bayern-1). Am Freitag, Punkt 18.00 Uhr, hatten dort 8.606 Menschen online unterschrieben. Im Begründungstext der Petition heißt es, die Volksmusik sei fester Bestandteil der bayerischen Kultur und habe einen Platz in einem frei empfangbaren Radiosender verdient. Viele ältere Volksmusikfans hätten weder ein Digitalradio noch die Möglichkeit, „BR Heimat“ via Internet zu empfangen. Die Landtagsfraktion der Freien Wähler und die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures zogen mit Online-Petitionen nach.

Der Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, Martin Wagner,zeigte allen Petenten aber gleich die kalte Schulter und erklärte: „Die Entscheidung ist gefallen.“

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