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Konservativer US-Mediendienst surft auf der Welle des Populismus

Breitbart will nach Europa expandieren

Sonntag, 13 November 2016 16:52
Logo des konservativen Mediendienst Breitbart Logo des konservativen Mediendienst Breitbart

Los Angeles – Nach dem Wahlsieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der konservative Mediendienst Breitbart, der zu den wichtigsten publizistischen Stützen des Republikaners im Wahlkampf zählte, nach Europa expandieren will. Breitbart-Chef Stephen Bannon führte zuletzt das Wahlkampfteam Trumps und zeichnet maßgeblich verantwortlich für dessen erfolgreiche Kampagne in den sozialen Medien.

Der Chefredakteur von Breitbart, Alexander Marlow, hatte schon vor einigen Wochen angedeutet, dass nicht nur die Eröffnung von Büros in Brüssel und Paris, sondern auch in Berlin geplant ist. „Es würde für uns Sinn haben, dorthin zu gehen, vor allem wegen der Migrationskrise“, wurde Marlow von der Wochenzeitung „Die Zeit“ zitiert. „Quer durch Europa sehen wir eine Rückkehr von Populismus und Nationalismus“, so der Breitbart-Chefredakteur.

Schon jetzt berichtet der deutlich rechts vom republikanischen Mainstream angesiedelte Mediendienst, der als wichtigstes Sprachrohr der sogenannten „Alternative Right“ („Alt-Right“) gilt, mit einem eigenen Büro in London über die Entwicklungen in Europa. Schwerpunkt war dabei bislang neben dem Brexit die Beobachtung der politischen Lage in Frankreich, vor allem der Aufstieg des Front National.

Einen Narren haben die Amerikaner vor allem an Marine Le Pens attraktiver Nichte, der Abgeordneten zur Nationalversammlung Marion Maréchal-Le Pen, gefressen. Breitbart bezeichnete die 26-jährige Juristin und Mutter eines zweijährigen Sohnes in einem Artikel sogar als „neuen Rockstar der europäischen Rechten“.

Der Gründer des US-Mediendienstes, Andrew Breitbart, der als Adoptivsohn einer jüdischen Familie in Los Angeles aufwuchs, sich später der Tea-Party-Bewegung anschloss, ein bekannter politischer Kommentator auf „Fox News“ war und vor vier Jahren im Alter von nur 43 Jahren überraschend an Herzversagen starb, rief mit dem „Breitbart News Network“ ein konservatives Gegenstück zur Online-Zeitung „Huffington Post“ ins Leben, für die er zuvor selbst tätig war.

An der Frage der Unterstützung Trumps drohte das überaus erfolgreiche Medienprojekt, das Monat für Monat mehr als 30 Millionen Internetnutzer weltweit anklicken, noch vor wenigen Monaten auseinanderzubrechen. Steve Bannon konnte sich am Ende mit seinem Pro-Trump-Kurs durchsetzen, mit Michelle Fields und Ben Shapiro verließen daraufhin zwei bekannte und in republikanischen Kreisen geschätzte Journalisten die Breitbart-Redaktion.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gab es schon vor der US-Wahl Spekulationen darüber, dass Trump im Falle einer Niederlage einen eigenen Fernsehkanal namens „Trump TV“ gründen wollte. Bannon sieht dank Trumps Wahlsieg nun offenbar die Chance, die Lücke mit kostenlos verfügbaren News, Videos und Podcasts auch in Europa zu füllen. Der bekannte Breitbart-Redakteur Milo Yiannopoulos habe sich bereits mit Produzenten getroffen, um eine neue TV-Show zu planen, schrieb vor wenigen Tagen die Zeitung „Die Welt“. Noch ungeklärt ist laut Bannon die Frage, ob die Nachrichten weiterhin nur in Englisch oder auch in den jeweiligen Landessprachen erscheinen sollen.

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